Die Spritze No. 6
1960 begab sich der Festausschuss für das damalige Jubiläum auf den staubigen Dachboden des Heimathauses, um das „Maskottchen“ der Telgter Wehr, die kleine Spritze No. 6, aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.
Das letzte mal war sie 1944 im Einsatz.
Die Handspritze wurde durch eine Eimerkette oder an einer Pumpe ständig mit Wasser gefüllt, welches dann mit Druck in einem Schlauch gepumpt wurde. So dass möglich war bis an den Brandherd (und ggf. bis in das Brandobjekt hinein) zum Angriff vorgehen zu können.
Sie verfügt allerding über weit mehr Qualitäten.
Zunächst hat sie ein wirklich sagenhaftes Alter;
1882 wurde sie das erste mal urkundlich erwähnt, tatsächlich wird sie allerding noch ein paar Jahre älter sein.
Das heißt, dass sie die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr „miterlebt“ hat.
Seiner Zeit strebte die Mannschaft der Spritze No. 6 eine Uniformierung an, um beim Brand einheitlich vorgehen zu können und eine Einmischung Unberufener auszuschließen.
Das war der Anstoß zur Gründung im Jahr 1885.
Seitdem ist die Spritze No. 6 der „Star“ der Feuerwehr geblieben.
Schon beim 40jährigen Jubiläum wurde ein humoriges Gedichtchen über sie verfasst, in dem sie wegen ihrer „Größe“ nicht mehr zu finden ist: „Hat keiner die Spritze 6 geseh`n, wir hatten sie doch hier im Hofe steh`n.“
So muss sie auch jetzt wieder Freude spenden.
Erstaunlich ist, wie gut sich die alte Handspritze gehalten hat.
Sie war sofort wieder fähig, auf eigenen Rädern zu rollen, nachdem sie liebevoll vom Dachboden herabgertagen worden war.
Einen „Fehler“ hatte sie allerdings, dass sie bei jeder Wirtschaft elend quietschte und jeweils tüchtig „geölt“ werden musste.
Unerlässlich die so arg quietschende Pumpe gut zu ölen um heil am Gerätehaus an der Ritterstraße anzukommen. Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
Doch bewies sie dabei auch ihre Wendigkeit: so fuhr sie in einer Wirtschaft bis an den „Brandherd“ heran und nachdem der „Brand“ gelöscht war zur Hintertür wieder hinaus.
Da bleibt nur zu hoffen, dass sich die Spritze bis zum nächsten Jubiläum auch noch mobil halten wird.
Nach dem Umzug 2015 in das neue Feuerwehrgerätehaus an der Alverskirchener Straße konnte die alte Spritze würdig in Szene gesetzt werden, und wurde zu einem viel bestaunten Blickfang in unserem neuen Domizil.
Nach Angaben der Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Feuerwehr ist das folgende Gedicht gegen 1890 entstanden und wurde 28 Jahre später im „MARIENBOTEN“ nagedruckt, einer 1918 gegründeten katholischen Kirchenzeitung die auch den Charakter eines amtlichen Publikationsorgans hatte.
„Hab`n Sie nicht die kleine Spritze gesehn?
Die freiwill`ge Feuerwehr
Übt in Telgte sich gar sehr,
Bei Gastwirt Bittmann in dem Saal
Versammeln sie sich allzumal
Während Steigercorps sich übt,
Wachmannschaft zum Biere zieht
Und schafft bei der Gerste Saft
Sich zur Übung Mut und Kraft.
Doch als sie neulich kamen raus,
Da riefen all` verwundert aus:
Hab`n Sie nicht die kleine Spritz gesehn?
Wir ließen sie doch hier im Hofe steh`n,
Währ`nd wir war`n am löten,
Ging uns die Spritze flöten,
Ach denkt euch diesen Schreck
Die kleine Spritz ist weg.
Der Hauptmann darob sehr erbost,
Fährt auf ein`ge Zuschauer los,
Und schnautzt diese furchtbar an
Als trügen sie die Schuld daran.
Warum steht ihr so herum?
Ihr habt gar nichts hier zu tun,
Ihr seid aller Streiche voll!
Wären sie auch noch so toll!
Und dann mit seiner Compagnie
Der Hauptmann immer toller schrie:
Hab`n Sie nicht die kleine Spritz gesehn?
Wir ließen sie doch hier im Hofe steh`n,
Währ`nd wir war`n am löten.
Ging uns die Spritze flöten,
Ach denkt euch diesen Schreck
Die kleine Spritz ist weg.“
„Einsatzbefehle Handdruckspritze
Zur Geräteübung antreten
Zu 12 abzählen
Tretet an!
Halt!
Zum Angriff fertig!
Erster Schlauch vor!
1 & 2 Strahlrohr
3 & 4 Deichsel heraus
6, 8, 4 & 12 Saugleitung
7 & 8 Schlauch
9 & 10 Saugkorb
5 & 11 Druckstangen
Wasser Marsch!
Reservemannschaft rechts um!
Marsch!
Löst: ab!
Reservemannschaft rechts & links um!
Marsch!
Halt!
Front!
Zum Abmarsch fertig!
Zur Grundstellung Marsch!
Halt!
Front!“


