Rettungsdienst
V Der Rettungsdienst der Stadt Telgte Zur Einleitung Im dritten Reich wurde das Deutsche Rote Kreuz als einzige Rettungsorganisation anerkannt und seine Rolle dementsprechend gestärkt. Dies geschah unter anderem durch das Verbot des ASB am 15.07.1933, und der Überweisung seines Besitzes an das DRK. Als am 02. 08.1934 der Schirmherr des DRK, Reichspräsident Paul von Hindenburg, verstirbt übernimmt Adolf Hitler dieses Amt. 1937 wird der SS – Oberführer und Reichsarzt SS Dr. Ernst Robert Grawitz zum Geschäftsführenden Präsidenten bestellt. Er beteiligte sich nachweislich an verbrecherischen Menschenversuchen sowie Euthanasiemaßnahmen, und entzog sich in der Nacht vom 22. zum 23. April 1945 durch Selbstmord seiner Verantwortung. Auch im DRK wurde der Ausschluss von jüdischen Mitgliedern beschlossen. Außerdem wurde der damalige Krankentransport und Rettungsdienst, soweit man davon sprechen konnte, am 10.02.1938 durch einen Runderlass des Reichsministeriums des Inneren im Deutschen Reich dem DRK übergeben.
„Roter Hahn und Rotes Kreuz“
1946 Wie die Feuerwehr zum Rettungsdienst kam Dies sollte sich jedoch 1945 für Nordrhein – Westfalen, durch den Zusammenbruch des dritten Reiches und die Befehlsgewalt, bzw. den Einfluss, der englischen Besatzungsmacht ändern. Amerikanische und französische Besatzungsbehörden hatten jedoch gegen die weitere Betreuung des DRK mit diesen Aufgaben keine Bedenken. Durch ein Sonderrundschreiben wurde die Umstrukturierung für das heutige NRW veranlasst. In diesem hieß es unteranderem: Somit wurde der Krankentransport in Nordrhein – Westfalen und somit auch in Telgte der Feuerwehr übertragen. seit 1958 Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und DRK 1958 wurde jedoch durch das neue Feuerschutzgesetz (Feuerschutz und Hilfeleistung bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen) die Grundlage dafür geschaffen, den Krankentransport wieder in die Hand der in Telgte 1933 gegründeten DRK – Sanitätskolonne, und 1951 Neuorganisierten DRK - Ortsvereines zu übergeben, was bei vielen Wehren auf Wiederstand stieß. Das DRK hegte natürlich ein großes Interesse daran wieder an dieser Aufgabe mitzuwirken.
Der DRK – Landesverband untermauerte seine Interessen damit, dass er aufgrund der Tatsache das viele Ehrenamtliche bei diesem Vorhaben mit einbezogen würden allein im Bereich Westfalen – Lippe 2 Millionen DM jährlich eingespart werden könnten. Außerdem war das DRK der Meinung: „Seinem Wesen und seinen Grundprinzipien nach ist das Rote Kreuz die einzige berufene Organisation für die Durchführung des Krankentransport- und Rettungswesens!“ Der Krankentransport in Telgte wurde nach dem 2. Weltkrieg zunächst im Wege der Dienstverpflichtung von dem DRK – Mitglied Anton (Tönne) Sauerland durchgeführt, bevor er diesen dann in eigener Regie übernahm.
Bereits 1961 stand eine Umorganisation des Krankentransportes des Amtes Telgte an, nachdem Tönne Sauerland, bis dahin Mitarbeiter und „Institution“ im Krankentransport, bei einem Verkehrsunfall während seines Dienstes im März 1961 ums Leben gekommen war, stationierte das DRK einen neuen Krankentransportwagen bei Brokamp in „Telgte – Raestrup 97“. Dieser Standort wurde jedoch als sehr unzulänglich befunden da er absolut dezentral lag. Das Amt Telgte war außerdem der Auffassung, dass das Krankentransportwesen seine Aufgabe sei. Überlegungen der Feuerwehr und des DRK führten jedoch zu der Erkenntnis, dass man in Telgte den Krankentransport dem DRK „überantworten“ solle. Maßgebend war dabei die Absicht, dem DRK und dessen ausgezeichneten ausgebildeten Helfern eine breitere Basis kreativer Wirksamkeit in der Öffentlichkeit einzuräumen, darüber hinaus aber auch die Feuerwehr, die sich über mangelnde Beschäftigung ja wahrlich nicht beklagen konnte, zu entlasten. Dennoch sollte die Zusammenarbeit und Kooperationen beider Hilfsorganisationen zunächst erprobt, und die vertragliche Zusammenarbeit zunächst auf ein Jahr befristet werden. Nach einer Vereinbarung der beiden Organisationen Ende August 1961 - übernahm der DRK Ortsverein Telgte innerhalb des Amtsbezirkes Telgte den Krankentransportdienst im Sinne des Gesetzes über den „Feuerschutz und die Hilfeleistung bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen“. - Für die Unterstellung des Krankentransportwagens stellte das Amt dem Ortsverein einen Einstellplatz in der amtseigenen Feuerwache unentgeltlich zur Verfügung. - Für den Einsatz und die Pflege des Krankentransportwagens stellt das Amt den jeweiligen Feuerwehrgerätewart mit der Maßgabe, dass die hierfür anfallenden anteilmäßigen personellen und sächlichen Kosten vom Amt getragen wurden. Die Kosten der Versicherung, des Treibstoffes und solche Reparatur- und Ersatzteilkosten, die über den Rahmen einer üblichen Unterhaltung hinausgehen, übernahm das DRK. - Bereitschaftsdienst - An Sonn- und Feiertagen sowie an solchen Werktagen, an denen der Gerätewart dienstfrei hat bzw. für Zwecke der Feuerwehr in Anspruch genommen wurde, stellte das DRK aus seinen aktiven Angehörigen einen entsprechenden Bereitschaftsdienst. - Für den Aufenthalt des Bereitschaftsdienstes überließ das Amt unentgeltlich den Schulungsraum der Feuerwache. - Die mit der Durchführung des Krankentransportwesens anfallenden schriftlich en Arbeiten einschließlich der Kassen- und Rechnungsführung obliegen dem DRK. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Amtes ist berechtigt, Einsicht in die Unterlagen der Kassengeschäfte des Krankentransportwesens zu nehmen und darüber der Amtsvertretung zu berichten. Bereits am 12.9.1961 war der hiesigen Tagespresse zu entnehmen das ab sofort ein neues Krankentransportfahrzeug des DRK in der Feuerwache stationiert sei. 1966 Einem Rückschlag ... Einer der beiden DRK – Krankenwagen (ein VW T 1) die in Telgte stationiert war wurde im März 1966 auf der Fahrt zum Krankenhaus Everswinkel bei einem Unfall stark beschädigt. 1968 ... folgt immer wieder ein Aufschwung Um mit der Modernisierung bei der Fahrzeugausstattung und dem Fuhrpark mitzuhalten schaffte sich das DRK im April 1968, als drittes Fahrzeug, einen modernen Krankenwagen an.
Bis dato stand ein VW in Telgte und noch immer ein VW in Raestrup bei der Familie Brokamp. Bei dem neuen Fahrzeug handelte es sich um einen Mercedes 200 D lang, ausgerüstet mit zwei Tragen, von denen eine für Kopftieflage kippbar war. Zusätzlich verfügte das Fahrzeug über drei Sitze, so dass bis zu fünf Verletzte gleichzeitig befördert werden konnten, ein Absaug- und ein Sauerstoffgerät. Sobald die finanziellen Mittel es ermöglichen würden sollte der Wagen noch mit einem Funkgerät ausgestattet werden. 1968 / 1971 Auch schon damals war der Rettungsdienst eine enorm leistungsfähige Institution mit großen Aufgaben Obwohl Telgte und Everswinkel 1968 über eigene Krankenhäuser verfügten legte der hiesige Krankentransport für 2024 Krankenfahrten 35.804 km zurück. 1971 lagen die Zahlen bereits bei 56.263 km für 2546 durchgeführte Transporte. 1972 Krankentransport des DRK Telgte Auf dieser Mitgliederversammlung sprach der neue Kreisgeschäftsführer Book ein besonderes Lob den Emstädtern aus. Der Ortsverband Telgte sei das Paradepferd im Kreis Münster, und der Krankentransport sucht im Kreisgebiet seinesgleichen. Ein Zeichen dafür, dass alle zurückliegenden Hindernisse und Komplikationen durch das Amt und den Ortsverein perfekt überarbeitet wurde. 1975 Ein neuer Träger für das altbewährte System Schon 1975 appellierte Herbert Faust (Landtagsabgeordneter, Bürgermeister und Wehrführer von Ahlen) zum Thema Krankentransport: „Diese Maßnahme besonderer Art sollten wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen.“ Auch strebte er eine schnelle Klärung der Frage an, wer der Träger des Rettungsdienstes im Kreis Warendorf werden sollte. 1976 Der erste RTW in Telgte Am 28.05.1976 erhielt die Feuerwehr Telgte ihren ersten RTW. Das Fahrzeug war damals nach den modernsten Erkenntnissen des Unfall – Rettungswesens ausgestattet und besaß technische Raffinessen, die hervorstachen: So war der Tisch, auf dem die Krankentrage liegt, seitwärts sowie hoch und runter zu bewegen, so dass hier ein Arzt oder ein Rettungssanitäter (die Stadt bequem auf dem Transport Erste Hilfe leisten konnten. Der Tisch verfügte zudem über einen hydraulisch – pneumatischen Stoß – Absorber, der die Schwingungen des Fahrzeugs während der Fahrt ausgleichen. Das Fahrzeug war zudem mit Sauerstoffund Absauggerät, Arztbestecken, Intubationsgeräten und natürlich auch mit fließendem Wasser ausgestattet.
1977 Neustrukturierung des Rettungswesens im Kreis Warendorf Als 1977 ein „Verwaltungs – Konzept für die Rettungswachen“ vorgestellt wurde, sorgte dies für heftige Diskussionen, da dadurch die Wertigkeit der einzelnen Wachen verschoben werden sollte. Auch wurde über verschiedene Modelle der Trägerschaft, z. B. durch das DRK, der Stadt oder dem Kreis Warendorf diskutiert. Besonders problematisch erwies sich der Umstand, dass die Rettungswache Telgte im Falle einer Städtischen Trägerschaft des Rettungsdienstes die Städte Telgte, Everswinkel und Ostbevern versorgen würde. Dennoch entschied sich die Stadt die Aufgabe zu übernehmen, was zwischen den Gemeineden zu einem schier endlosen Streit bezüglich der Kostenbeteiligung führte. Für diese gab es keine Gesetzliche Grundlage, jedoch wurde sie von der Stadt Telgte gewünscht. Auch ging es um die Bereitstellung eines Rettungswagens in Ostbevern, der dann der Rettungswache Telgte unterstellt sei, jedoch von Mitgliedern des DRK Ostbevern besetzt werde. 1979 Der wohl tragischste Unfall des Rettungsdienstes Der 26.05.1979 stellt für den Rettungsdienst der Stadt Telgte den wohl schwärzesten Tag in der Geschichte da. Ein PKW der die Westbeverner Straße in Richtung Westbevern befuhr geriet ins schleudern und stieß in Höhe des Wasserwerks mit einem entgegenkommenden RTW zusammen. Mit dem RTW sollte gerade ein leicht Verletzter von Westbevern nach Telgte ins Krankenhaus gebracht werden, der von dem Fahrer und Beifahrer, und zwei weiteren Personen begleitet wurde. Bei dem Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge wurden im RTW der Beifahrer und der Patient schwer und die beiden Begleiter und der Fahrer leicht verletzt. Die Fahrerin des PKW wurde schwer verletzt eingeklemmt und erlag ihren Verletzungen, ihr Beifahrer wurde leicht verletzt.
1985 Vertrag zum Rettungswesen für Telgte, Nachdem dieser Bereich der letzte im Kreisgebiet war, in dem es noch keine vertragliche Grundlage für den Rettungsdienst gab, konnte diese nach fast zwei jährigen Verhandlungen endlich beschlossen werden. Neben den Städten und Gemeinden erwartete auch der Kreis sehnlichst diesen Vertragsabschluß, da erst jetzt der Rettungsbedarfsplan in Kraft treten konnte.
1988 Verbesserte Notarztversorgung für Telgte Seit Jahren schon gab es einen organisierten Notarztdienst für Telgte, der jedoch zunehmend als „unglückliche Lösung und unzureichend“ bewertet wurde. Ein Niedergelassener Arzt wurde über Telefon verständigt und zum Einsatzort gefahren. Dieser war jedoch nicht 24 h pro Tag erreichbar bzw. abkömmlich, sodass oftmals auch gar kein Notarzt für den Rettungsdienst zur Verfügung Stand. Zunächst sollte das St. Josefs Hospital in Warendorf ganztägig einen Notarzt stellen, der dann innerhalb von 8 bis 16 Minuten jeden Punkt der Gemeineden Everswinkel, Ostbevern und Telgte erreichen könne. Die endgültige Regelung dieser Problematik, die sich über Jahre erstreckte, sah durch einen Vertrag mit dem Krankenhaus Maria Frieden in Telgte so aus, dass dieses ab dem 1. September werktags von 8 bis 17 Uhr einen Notarzt stellte. Außerhalb dieser Zeiten wurde der Notarzt durch das St. Josefs Hospital in Warendorf gestellt. 1988 / 1989 Umstrukturierung des Rettungsdienstes Schon damals mahlten die Mühlen der Verwaltung recht langsam. Die Stadt ging davon aus, dass der örtliche Rettungsdienst mit dem Stichtag 1.1.1988 in die Trägerschaft des Kreises übergehen würde. Diese Übernahme wollte bzw. konnte der Kreis nicht so schnell realisieren, und beließ die Organisation in den Händen der Stadt, übernahm jedoch alle anfallenden kosten. Am 01.02.1989 endete die Tätigkeit der Stadt, bzw. der Feuerwehr Telgte, im Rettungsdienst. Seit diesem Tag sorgt der Kreis Warendorf für dessen Ausübung.