Telgte
I Löschzug Telgte
1) Bis 1876
Schleifstiege 6 - 8 Die Geräte (der Obligatorischen Pflichtfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr) waren an mehreren Stellen in der Stadt untergebracht. Ein Teil befand sich in dem alten Spritzenhaus an der Schleifstiege (dem späteren „Kittchen“), andere waren bei Kameraden untergebracht. Das damalige Spritzenhaus befand sich auf dem heutigen Grundstück Schleifstiege 6 – 8. Bis 1815 Haus Nummer 76 und 75, bis 1947 Haus Nummer 72 und 71. 1768 Haus von W. Rehn, bewohnt von H. Mape und Heinrich Molkenbur. Jeweils eingeschossiges Haus von 21 x 20 Fuß und vier Verbinden., versichert zu 40 Rthl; 1802 Wigging und Grasmeter. Die Wohnungen haben jeweils einen Rauchfang; 1808 Haus Nummer 75 Tagelöhner Johann Heinrich Hagemeier und Haus Nummer 76 Strumpfweber Bernhard Heinrich Sudtelgte; 1839 wird das Haus Nummer 72 durch die Stadt Telgte für 285 Thl vom Kaufmann Zellerhof erworben, um hier die bislang in angemieteten Räumen untergebrachte Feuerspritze abzustellen; 1920 Stadt Telgte, Wachtlokal; 1947 städtisches Arresthaus 1842 wurde das Haus Nummer 72 zum Spritzenhaus umgebaut. Es wurde ein Raum für die Pumpe und ein Raum für die Spritze genannt. Die Bauarbeiten führte der Tischler Lammerding (StA Münster, Landrat Ms, Nr. 509) aus. 1846 wurde ein Teil des Spritzenhauses als Polizei – Gefängnis eingerichtet, da der bislang hierzu genutzte Raum im Rathaus sich als völlig ungeeignet erwiesen hatte und dort keine Möglichkeit zur Erweiterung bestand. Das Spritzenhaus wurde 1876 in einen Neubau am Ende der noch nicht verlängerten Bahnhofstraße auf dem Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Hagen umgesiedelt (später Federnfabrik Kruchen, Bahnhofstraße 48). Quelle: Dr. F. Kaspar, Telgte
2) 1876 – 1898
Bahnhofstraße 48 Das nächste Spritzenhaus befand sich in der heutigen Bahnhofstraße 48. Bis 1904 Schwienhorst Nummer 43 a, bis 1947 Haus Nummer 502. Das der Kirchengemeinde gehörende Grundstück wurde 1887 erstmals mit einem allerdings schon 1898 wieder abgebrochenen Spritzenhaus bebaut. Firma Kruchen Die Firma Kruchen wurde im November 1900 durch Joseph Kruchen (1864 – 1930) auf einem großen Grundstück an der Bahnhofstraße zwischen dem Hagen und dem Böhmerbach gegründet, wo er 1897 schon ein neues Wohnhaus errichtet hatte (siehe Bahnhofstraße 50). Kruchen war schon 1891 von Erkrath nach Telgte gekommen und arbeitete zunächst als Handlungsgehilfe, später als Geschäftsführer bei der Bettfedernfabrik Schräder (siehe Herrenstraße 6) und heiratete eine Tochter des Mühlenbesitzers Hardensett. Die Firma wurde 1995 aufgelöst. Spritzenhaus (1876 – 1898) Durch die Stadtgemeinde auf Flur I, Stück 552 / 179 errichtet (hierbei war die Fluchtlinie zwischen Vennenkötter und Sendker einzuhalten – siehe Antrag ohne Bauplan im Stadtarchiv Telgte, C 2034). Das Spritzenhaus wurde im Oktober 1896 öffentlich zum Verkauf angeboten, da es bis 1898 durch einen Neubau an der Ritterstraße 46 ersetzt wurde. 1898 Abbruch des alten Spritzenhauses. Da es der Kirchengemeinde zunächst nicht gelang das Grundstück für einen angemessenen Preis zu verkaufen, blieb das Gelände zunächst unbebaut liegen. Quelle: Dr. F. Kaspar, Telgte
3) 1898 – 1960
Ritterstraße 46 FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Im Jahre 1898 wurde das Gerätehaus an der Ritterstraße gebaut, in dem seit 1909 der größte Teil der Geräte der Freiwilligen Feuerwehr zusammen mit denen der Zwangswehr aufbewahrt wurden. Ein Beschluss ging 1919 dahin, anstelle der beiden Türme auf dem Gerätehaus einen neuen Steigerturm, der zugleich als Trockenturm für die nassen Schläuche benutzt werden sollte, zu errichten. Dieser Beschluss ist jedoch infolge der einsetzenden Geldentwertung nicht sofort durchgeführt worden. Erst im Sommer 1924 wurde der Steigerturm, der mit seinen 3 Stockwerken 12 m hoch war, in die Front des Gerätehauses eingebaut und gleichzeitig der Vorplatz durch eine Mauer von der Straße getrennt. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
Seit ca. 1935 befanden sich sämtliche Geräte in diesem Gerätehaus. Jedoch wurden Gerätschaften während des Krieges ausgelagert, um den völligern Verlust der Ausrüstung im Falle einer Bombardierung auf Telgte zu vermeiden. So geht zum z. B. aus einem Vertrag zwischen dem „Zweckverband des Feuerlöschverbandes Telgte“ und dem „Bauunternehmer August Bäumer, Steinstr. 177, Telgte“ hervor das hier eine „Autogarage für die Unterstellung eines P.K.W. (Zugwagen)“ angemietet wurde. Weiterhin wurde in diesem Vertrag vom 10. August 1994 vereinbart: „§ 2 Die Pachtzeit beginnt rückwirkend mit dem 1. August 1944 und dauert vorerst für die Dauer des jetzigen Krieges. ...“ „§ 3 Der Pachtpreis, der mit monatlich Fünf Reichsmark vereinbart wurde, wird am 1. Januar eines jeden Jahres für die zurückliegende Pachtzeit an den Verpächter gezahlt.“ Einen weiteren Vertrag, vom 21. September 1944, gab es mit dem „... Der Kaufmann Franz Stadtmann, Emsstr. 127, Telgte verpachtet ... seine auf dem Grundstück des Schmiedemeisters Witte, Emsstr. 115, Telgte vorhandene Autogarage für die Unterstellung von Feuerlöschgeräten ...“. Der übrige Inhalt, auch der Pachtzeitraum, war identisch mit dem o. g. Vertrag.
4) 1960 – 2015
Neubau Ritterstraße 46 Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte Bauzeichnung des geplanten Neubaues von 1959 für eine Fahrzeughalle mit drei Stellplätzen für die Feuerwehreinsatzfahrzeuge und einen Stellplatz für einen PKW. Über der Fahrzeughalle befand sich eine Wohnung für den Gerätewart. Ein Teil Gebäudes war unterkellert. Hier befand sich die Heizung. Am 15. März 1960 wurde ein lang gehegter Wunsch der Wehr in die Tat umgesetzt. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
In der Ritterstraße wurde, nach Abbruch des alten Gerätehauses, der Grundstein für das „neue Gerätehaus“ mit 4 Stellplätzen, einer darüber liegenden Wohnung und einem neuen Schlauchturm (26,20 m) gelegt, welche am 28. August zur „75. Wiederkehr des Jahres der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Telgte“ mit dem einmauern einer Urkunde eingeweiht wurde. Die Urkunde hatte folgenden Wortlaut. U R K U N D E Am 28. August 1960 als Dr. Lübke Bundespräsident, Dr. Adenauer Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Meyer Ministerpräsident des Landes Nordrhein – Westfalen, Dr. Schneeberger Regierungspräsident in Münster war, als Oberstudienrat Dr. Pottebaum als Landrat den Vorsitz im Kreistag des Landkreises Münster führte, Oberkreisdirektor Meyer – Schwickerath die Verwaltung des Landkreises Münster leitete, als Gastwirt Bernhard Rumphorst als Amtsbürgermeister des Amtes Telgte und Bürgermeister der Stadt Telgte und Bauer August Wallfahrt als Bürgermeister der Gemeinde Telgte Kirchspiel sowie Bauer Bernhard Mennemann als Bürgermeister der Gemeinde Westbevern amtierten, als Amtsdirektor Hans Melchers die Leitung der Amtsverwaltung Telgte oblag, als der eben genannte Gastwirt Bernhard Rumphorst gleichzeitig als Amtsbrandmeister des Amtes Telgte fungierte, an diesem Tag, als die Freiwillige Feuerwehr Telgte die Wiederkehr des 75. Jahrestages ihrer Gründung beging, an diesem Tag wurde voller Freude über das gelungene Werk d i e n e u e F e u e r w a c h e d a s A m t e s T e l g t e die den Plänen des Amtsbaumeisters Josef Klaverkamp aus Telgte entstammt und unter seiner Leitung, mit Gottes Hilfe und dank fachgerechter Handwerksarbeiter nach achtmonatiger Bauzeit, hier in Telgte an der Ritterstraße durch die Hand des hochwürdigen Probstes Bringemeier in Anwesenheit des Herrn Pfarrer Günzel von der evangelischen Kirchengemeinde und zahlreichen Ehrengästen und der Männer der Freiwilligen Feuerwehr des Amtes Telgte geweiht und i h r e r B e s t i m m u n g ü b e r g e b e n Diese Urkunde, die heute in die Mauer der neuen Feuerwache eingemauert wird, soll den Geist all derer künden, die an dem Gelingen des Werkes ihren Anteil hatten. Sie soll aber gleichzeitig Zeugnis geben von dem guten Willen und der Einsatzbereitschaft der Männer der Freiwilligen Feuerwehr des Amtes Telgte, die sich immer uneigennützig der Allgemeinheit bei Brand und Katastrophen zur Verfügung stellen und deren Name nachstehend wiedergegeben sind. Amtsbrandmeister Bernhard Rumphorst, Hauptbrandmeister, Telgte, Steintor 1 Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte stellv Amtsbrandmeister Anton Hölscher, Oberbrandmeister, Telgte, Königstr. 1 T e l g t e S t a d t Es folgen die Namen von 38 Feuerwehrangehörigen T e l g t e R a e s t r u p Es folgen die Namen von 19 Feuerwehrangehörigen W e s t b e v e r n - D o r f Es folgen die Namen von 16 Feuerwehrangehörigen W e s t b e v e r n - V a d r u p Es folgen die Namen von 18 Feuerwehrangehörigen W e s t b e v e r n - B r o c k Es folgen die Namen von 15 Feuerwehrangehörigen Unter dem Schutz des heiligen Florian sei diese Feuerwache stets ein Hort der Wachsamkeit und der Bereitschaft. G o t t z u r E h r , d e m N ä c h s t e n z u r W e h r Zur Beurkundung der Richtigkeit der vorstehenden Urkunde versehen wir diese mit unserer Unterschrift und dem Siegel. Telgte, 28. August 1960 (Anton Pröbsting) stellv Amtsbürgermeister (Hans Melchers) Amtsdirektor (Bernhard Rumphorst) Amtsbrandmeister Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
5) 1976 – 2015
Ritterstraße 46, Anbau Ritterstraße 48 2015 – 2024 Satellitenstandort Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte Bauzeichnung des geplanten Neubaues von 1975. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Hier standen zuletzt, von links nach rechts HLF 16, LF 16, DLK 18, auf dem nächsten Stellplatz stand hinten der RW 1, vorne der RTW. In der schräg angeordneten Fahrzeughalle für PKW stand zur Ritterstraße hin ein KTW und ein NEF, entgegengesetzt stand der ELW. Auch bei diesem Anbau befanden sich im gesamten Obergeschoß Wohnungen und fast der gesamte Bau war unterkellert. Mitte der 70er Jahre platzte das Gerätehaus aus allen Nähten und wurde somit 1976 durch einen Erweiterungsbau mit 4 Stellplätzen für Großfahrzeuge und 3 Stellplätze für kleinere Fahrzeuge, 1 Einsatzleitzentrale und 3 darüber liegenden Wohnungen erweitert. Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
Die Urkunde hatte folgenden Wortlaut. U R K U N D E Am 6. März 1976 im 91. Jahr seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Telgte, knapp 16 Jahre nach der Erstellung der Feuerwache, nachdem am 1.7.1968 die Gemeinden Stadt Telgte und Telgte – Kirchspiel zusammengeschlossen worden sind und am 1.1.1975 im Zuge der kommunalen Neuordnung in Nordrhein – Westfalen die Stadt Telgte und die Gemeinde Westbevern mit den Ortsteilen Dorf und Vadrup die neue Stadt Telgte bildeten, das Amt Telgte und der Kreis Münster aufgelöst und die Stadt Telgte dem Kreis Warendorf zugeordnet wurden, als der Kaufmann Albert Bruens Bürgermeister war, Hans Melchers als Stadtdirektor amtierte, der Elektromeister Heinz Rickhoff als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Telgte vorstand, ist in Gegenwart zahlreicher Ehrengäste der Erweiterungsbau der Feuerwache der Stadt Telgte nach 1 ½ jähriger Bauzeit nach den Plänen des Architekten Wilhelm Bellmann aus Telgte seiner Bestimmung übergeben worden. Diese Urkunde wird heute in die Mauer der Feuerwache eingelassen in der Hoffnung, dass die Stadt Telgte von größeren Brandund Katastrophenschäden verschont bleiben möge. Folgende Männer, die sich in uneigennütziger Weise in den Dienst der Allgemeinheit stellen, gehören am Tag der Einweihung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Telgte an: Zug Stadt Telgte Es folgen die Namen von 53 Feuerwehrangehörigen Gruppe Raestrup Es folgen die Namen von 22 Feuerwehrangehörigen Gruppe Westbevern – Dorf Es folgen die Namen von 19 Feuerwehrangehörigen Gruppe Westbevern – Vadrup Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Es folgen die Namen von 16 Feuerwehrangehörigen Musikkorps Es folgen die Namen von 20 Feuerwehrangehörigen Jugendfeuerwehr Es folgen die Namen von 15 Feuerwehrangehörigen G o t t z u r E h r, d e m N ä c h s t e n z u r W e h r Telgte, am 6. März 1976 (Günter Karthaus) (Heinz Rickhoff) (Hans Melchers) stellv. Bürgermeister Wehrführer Stadtdirektor FF Telgte Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Da durch ein „Wahldebakel“ die Kommunalwahl vom 30.08.2009 am 13.12.2009, und 2010 wiederholt werden musste, und die Amtsgeschäfte der Stadt während dieser Zeit quasi nur Kommissarisch weitergeführt wurden, lagen jegliche Bemühungen zwecks Erwerbes eines Grundstückes und Neubau eines Gerätehauses auf Eis. Deshalb wurden im bestehenden Gerätehaus an der Ritterstraße einige Instandsetzungund Modernisierungsarbeiten durchgeführt, wie z. B. ▪ Installierung einer größeren Wasserleitung, um die Tanklöschfahrzeuge schneller betanken zu können ▪ Installierung einer Abgasabsauganlage und Verbesserung der Lüftung in der Fahrzeughall ▪ Zentrale Stromund Druckluftversorgung der Fahrzeuge. Auf diese Arbeiten hatte die Wehrführung in der Vergangenheit verständlicher Weise Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte verzichtet, da es ja so schien, dass ein Neubau nicht mehr in großer Zeitlicher Entfernung stehen würde. 2015 war es endlich soweit, der Löschzug konnte das neue Domizil an der Alverskirchener Straße beziehen, und zog aus dem Gerätehaus Ritterstraße aus. Jedenfalls der größte Teil. Aufgrund knapper Kassen wurde der Neubau des Nord – Standortes verschoben, und der alte Standort Ritterstraße übernahm diese Funktion. Zusätzlich wurde der Gebäudekomplex durch die Stadt genutzt, die hier die Winterräumgerätschaften einlagerte, und durch das DRK, deren Standort aus allen Nähten Platzte. Aufgrund einer sehr hroßen Fluchtwelle von Kriegsflüchtlingen aus Syrien, wurden die Wohnungen an Flüchtlingsfamilien vergeben. Ein Nord – Standort konnte 2024 aufgrund des gemeinsamen Brandschutzbedarfsplanes der TEO – Feuerwehren komplett aufgegeben werden. Somit wurde 2024, nach 126 Jahren (seit 1898), der Standort Ritterstraße 46 – 48 für die Feuerwehr Telgte aufgegeben. Vor dem geplanten Abriss des Gebäudes durch den neuen Eigentümer wurden am 26.02.2025 der Sandstein von 1989 und der Betonstein von 1976 entfernt, um diese der Nachwelt zu erhalten. Westfälische Nachrichten
Hinter den Betonstein wurden bei dieser Maßnahme auch die beiden Zeitkapseln von 1960 und 1976 entdeckt. Nach dem öffnen gingen diese an das Stadtarchiv, welches sich mittlerweile beim Kreis Warendorf befindet. Zu diesem besonderen Ereignis waren unter großen Medialen Interesse der Westfälischen Nachrichten und des WDR, der Bürgermeister Wolfgang Pieper, die Leiterin der Ordnungsamtes Tatjana Hansen, Vertreter der Parteien, Vertreter des Kreisarchiv Warendorf, die Wehr- und Zugführung erschienen. Im Dezember 2025 wurde das Gerätehaus abgerissen und somit dann endgültig Geschichte. FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Für viele Kameradinnen und Kameraden ein emotionaler Moment an die Vergangenheit. An viele Erlebnisse in der Feuerwehr, und für einige auch die Erinnerung an die ehemalige Wohnung. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte
6) Die Zukunft
Nach vielem hin und her, dem Führ und Wieder für verschiedene Grundstücke kam endlich eine Zielgerichtete Bewegung in die Findung eines neuen Standortes für den Löschzug Stadt. Am 27. Mai 2010 hatte sich der Rat der Stadt Telgte in einer nicht öffentlichen Sitzung mit diesem Thema beschäftigt, und den Grundsatzbeschluss gefasst den Standort an der Alverskirchener Straße, südlich der Don – Bosco – Schule, für diesen Zweck zu entwickeln. In einem Schreiben des Bürgermeisters an die Kameraden der Feuerwehr vom 02. Juni 2010 hieß es: … Ich möchte Ihnen hier ganz kurz das von mir geplante und mit Ihrer Wehrführung abgestimmte weitere Verfahren schildern: Zunächst soll in einer Bürgerversammlung am 30. Juni 2010 in der Don – Bosco – Schule die Öffentlichkeit über die Auswahl des Standortes und über das weitere Verfahren informiert werden. Parallel wird in einem Auswahlverfahren ein qualifiziertes Architektenbüro gesucht, das einen konkreten Entwurf erarbeiten und mit der Feuerwehr abstimmen soll. Ein erster Entwurf soll dann nach Möglichkeit bereits Anfang September in einer Sitzung des Bauund Planungsausschusses vorgestellt werden. Zeitgleich ist es erforderlich, den derzeitigen Rechtszustand des Bolzplatzes im Rahmen der Bauleitplanung anzupassen und für diesen Standort die Feuerwehrnutzung festzulegen. Dieses förmliche Verfahren nach dem Baugesetzbuch wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Unter der Voraussetzung, dass der Aufstellungsbeschluss noch im September 2010 gefasst wird, könnte ein solches Verfahren voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2011 beendet werden. Parallel dazu kann die Genehmigungsund Ausführungsplanung erfolgen, so dass angestrebt wird, mit der Errichtung des Feuerwehrgerätehauses nach der Winterpause 2010 / 2011 zu beginnen. Es gibt sicherlich noch viele einzelne Fragen, die es zu beantworten gilt, bis Sie in ein neues Feuerwehrgerätehaus einziehen können. Dennoch sind wir sehr optimistisch, dass der Rat der Stadt Telgte nunmehr mit seiner Entscheidung den Weg für eine neue Feuerwache gefunden hat, so dass die Verhältnisse an der Ritterstraße in Kürze der Vergangenheit angehören sollten. Versprechen gab es einige, die alle im Sande verliefen. Es blieb nur zu hoffen, dass dies nicht wieder so eintreten würde, und die Motivation der Kameraden nicht weiter auf den Prüfstand gestellt würde. Doch zu früh gefreut, das Tauziehen um den neuen Standort nahm kein Ende. Um die Brisanz der Situation wiederzugeben, sind hier einige Zeitungsberichte und Briefe aufgeführt, die die Komplexizität dieses Sachverhaltes etwas beleuchten sollen. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Offener Brief an den Rat der Stadt Telgte, 05.09.2010 Herzlichen Glückwunsch FDP! Offener Brief des Mannschaftssprechers des Löschzuges Stadt, der Freiwilligen Feuerwehr Telgte, an den Rat der Stadt Telgte. Mit ziemlicher Bestürzung und Verwunderung habe ich, wie viele der aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, den Artikel über den Standpunkt der FDP, zum Standort des Neubaus eines Feuerwehrgerätehauses aufgenommen. Nach etlichen ausführlichen Gesprächen mit den Kameraden, kam ich zu der Überzeugung, dass den Bürgern dieser Stadt, die Reaktion, die dieser Artikel in unseren Reihen ausgelöst hat nicht vorenthalten werden darf. Der Tenor all dieser Gespräche war, dass ein Großteil der Feuerwehrkameraden nur einen Fußbreit vor dem Austritt steht. War der Melder vor wenigen Wochen noch gelb, so ist er jetzt gelb-rot, und es ist zu befürchten, dass hier eine Welle in Gang gesetzt wird, die nicht mehr aufzuhalten ist. Die meisten der Kameraden fragten sich wie die FDP, noch vor der Bekanntgabe der Ergebnisse der Untersuchung der Standorte Alverskirchener Straße und Bruens, bereits ein Urteil fällen kann. Noch verwunderlicher wird dies, da auch die FDP in der letzten Ratssitzung für diese Untersuchung gestimmt hatte, und alle Parteien sich dafür aussprachen, dass nur diese Standorte erneut überprüft werden, und alle weiteren aufgrund einer Nichteignung auszuschließen sind. Auf einmal wird nun wieder die Wiese hinter dem Autohaus Dartmann in den Topf geworfen, und dies mit längst widerlegten Argumenten begründet. Wofür hat die Stadt also Geld für eine erneute Überprüfung der Grundstücke Alverskirchener Straße und Bruens in die Hand genommen, wen die Ergebnisse nicht abgewartet werden und bereits im Vorfeld Parteien ihr Urteil fällen? Noch dazu ohne sich scheinbar wirklich mit Fakten und Begebenheiten zu beschäftigen. So fällt es auf, dass gerade die FDP die einzige Fraktion des Stadtrates ist, die trotz Einladung nie zu einer Besichtigung des Gerätehauses erschienen ist und das Gespräch mit der Feuerwehr gesucht hat. Bei den „intensiven“ Recherchen dieser Partei unterblieb also bis heute die Einbeziehung der fachlichen Sicht durch die Feuerwehr, um die es hier immerhin geht. Hätte man sich die Mühe gemacht und mit uns gesprochen, wäre auch der FDP aufgefallen das z.B. das Argument der Sonderquerung der Bahnlinie ein Potjomkinsches Dorf ist. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Deutsche Bahn einem Solchen zustimmen würde, gäbe es keinen Kameraden der Feuerwehr, der sich bereit erklären würde diesen auf dem Weg zum Gerätehaus zu benutzen! Auch das Ausrücken über eine solche Querung mit den Einsatzfahrzeugen wäre alleine aus Sicht der Unfallversicherer wohl kaum zulässig. Die Kameraden sind aus diesem Grunde extrem verärgert, da hier offensichtlich mit ihrem Leben gespielt wird, wenn sie unbeschrankte Bahnübergänge benutzen sollen. Auch zeigt hier erneut eine Partei, die von uns bei der Übergabe des gelben Melders gerügte Entschluss- und Planlosigkeit. Es ist nicht mehr Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte nachvollziehbar wie ein bereits 1990, im Feuerwehrkonzept des damaligen Stadtdirektor Rammes, festgestellter Bedarf für die Errichtung eines neuen Gerätehauses nun wieder in die Ferne rückt. Auch die FDP war in diesen 20 Jahren Teil des Stadtrates und trägt hier Verantwortung. Wie bereits oben erwähnt ist es mittlerweile 5 vor 12, und ein Großteil der Kameraden sieht keinen Sinn mehr darin, sich für eine Sache zu engagieren, die scheinbar nicht mehr durch das Bürgertum der Stadt und deren Vertreter getragen wird. Um dem mündigem Telgter Bürger zu verdeutlichen was für eine Auswirkung ein solches Ereignis auch für jeden Einzelnen hätte, werde ich dies hier erläutern. Selbst bei einem Austritt nur eines Teils der Angehörigen des Löschzuges Stadt, wäre der Brandschutz im Stadtbereich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Verwaltung wäre also gezwungen zur Widerherstellung der Sicherheit der Bürger die Freiwillige Feuerwehr aufzulösen, und nach §14 FSHG NRW eine Pflichtfeuerwehr einzurichten. In Folge dessen kann jeder Bürger im Alter zwischen 18 und 60 Jahren in dieser zwangsverpflichtet werden! Neben den ehemaligen Mitgliedern der Freiwilligen Wehr, werden also auch Bürger zwangsweise ihren Weg in die Feuerwehr finden, die bis heute nichts mit dieser zu tun hatten. Da zum Dienst verpflichtete im Gegensatz zu den Freiwilligen für die aufgebrachte Zeit im Dienste der Allgemeinheit entschädigt werden müssen, erfolgt ab diesem Zeitpunkt eine Vergütung jedweder Aktivität bei der Feuerwehr. Neben durchschnittlich 170 bis 220 Einsätzen im Jahr, sowie hunderten von Stunden für die Aus- und Weiterbildung, würden auch sämtliche Aufwendungen für die organisatorische Planung und den Vorbeugenden Brandschutz in diese Summe einfließen! Deren Gesamtzahl ist kaum abschätzbar, da zum jetzigen Zeitpunkt nur Einsatzund Ausbildungszeiten erfasst werden. Es dürfte aber außer Frage stehen, dass bereits diese Aufwendungen den Haushalt der Gemeinde Telgte sprengen werden. Als beiläufiger Nebeneffekt einer Pflichtfeuerwehr, würde die Aufsichtsbehörde, in Form der Bezirksregierung aktiv werden. Ab diesem Augenblick würde die Pflichtaufgabe Feuerwehr durch diese delegiert. Aufgrund des Zustandes der Gerätehäuser, des teilweise veralteten Fuhrparks und weiterer Ausrüstungsmängel durch Sparmaßnahmen der letzten Jahre, müsst die Aufsichtsbehörde hier zwangsweise Investitionen in Millionenhöhe anordnen. Der Rat hätte keinerlei Mitspracherecht mehr. Es würde in Bezug auf den Neubau eines Gerätehauses des Löschzuges Stadt, sowohl Ort, Zeitpunkt und Umfang durch die Bezirksregierung angeordnet. Da der Standort Alverskirchener Straße durch diese bereits unterstützt worden ist, kann sich hier also jeder sein eigenes Bild von einer diesbezüglichen Entscheidung machen. Diese Investitionen würden den Haushalt endgültig zum kippen und die Stadt in ein Haushaltssicherungsverfahren bringen. Der Rat würde also auch in Bezug auf die Stadtfinanzen sein Mitspracherecht verlieren, und müsste alle Ausgaben auf die Pflichtaufgaben der Gemeinde beschränken. Dies bedeutet, dass alle freiwilligen Leistungen der Gemeinde, wie z.B. Schwimmbäder und Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Bibliotheken, geschlossen werden müssen, da sie schlichtweg nicht mehr bezahlbar sind. Es würde also zu einem radikalen Verlust der Lebensqualität für alle Telgter Bürger kommen. Über den Gesichtsverlust, den dieser fast einmalige Vorgang in Deutschland für diese Stadt hätte, und die wirtschaftlichen Folgen möchte ich hier gar nicht erst sprechen. Es ist wohl kaum anzunehmen das Unternehmen in einen Ort investieren, der keinen zuverlässigen Brandschutz gewährleisten kann. Für meinen Teil hoffe ich, dass dieser Fall nicht eintrifft. Sowohl als Bürger dieser Stadt, wie auch als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Leider verlässt mich und ein Großteil der Kameraden aber die Hoffnung, dass dieses Szenario noch abgewendet werden kann, wenn die örtliche Politik die Zeichen der Zeit nicht erkennen will oder kann. Es bleibt zu hoffen, sollte der Fall der Fälle eintreten, dass der Bürger sich bei den Kommunalwahlen 2014 erinnert welchen Parteien er dieses Schlamassel zu verdanken hat. Und diesen den Platz in der Gemeindegestaltung zuweist der ihnen gebührt. Nämlich abseits des Stadtrates! Lassen Sie, liebes Ratsmitglied, es nicht soweit kommen! Gunnar Schlecht Mannschaftssprecher des Löschzuges Stadt der Freiwilligen Feuerwehr Telgte „Was kostet das Ding?“ Ausschuss vertagt Entscheidung über Feuerwehrstandort auf die Ratssitzung Von Roland Greife Telgte. Nach mehr als dreieinhalb Stunden hat der Planungsausschuss eine Entscheidung über den neuen Feuerwehrstandort vertagt. Die Stadtverwaltung soll bis zur Ratssitzung am 7. Oktober, in der auf jeden Fall der Knoten durchschlagen werden soll , nochmals Fragen klären, die aus Sicht der Fraktionen bislang offengeblieben sind . Die wichtigste von allen: Was soll das Bruens – Grundstück am Orkotten kosten, dass die Stadt kaufen müsste, um dort die Feuerwehr und die Rettungswache unterzubringen. Aussagen dazu, die die Stadtverwaltung in einer eingeschobenen nichtöffentlichen Sitzung vorbrachte, empfanden die Politiker offenbar für nicht ausreichend. „Wir bewegen uns da im spekulativen Bereich“, so Christoph Boge (CDU). Für den Standort Alverskirchener Straße verlangte die CDU außerdem Aussagen zur Schulwegsicherung, zum Ersatz von Bolzplatz und Sportanlage sowie zur Beteiligung der Anlieger. Er sei stinksauer, so Michael Ludwig (SPD). Er bemängelte fehlende Risiko- und Kostenvergleiche . „Ich will das komplette Menü haben, bekomme aber nur Häppchen gereicht.“ Bürgermeister Pieper verwahrte sich gegen die Kritik. Die Stadtverwaltung habe die vier Punkte über die Sommerpause nochmals sehr intensiv geprüft, die der Rat im Juli moniert habe. „Wir werden bis zum 7. Oktober keine verbindliche Aussage über den Kaufpreis bekommen“, prophezeite er. Pieper sah die Gefahr, dass man sich nun in die Abhängigkeit eines privaten Grundstückseigentümers begebe. Branddirektor Fritz Burrichter aus Münster, von der Stadtverwaltung als Supervisor hinzu gebeten, hatte im Ausschuss Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte deutlich gemacht, dass beide Standortvarianten geeigneten seien, die Schutzziele zu erreichen. Aus feuerwehrfachlicher Sicht sprach er sich jedoch deutlich für die Alverskirchener Straße aus. Unter anderem wegen der geringeren Kreuzungsverkehre, die ein Unfallrisiko darstellten. Das Gebäude längs zur Landstraße anordnen zu können, sei ein „unschlagbarer Vorteil“ gegenüber Bruens. Wie berichtet, schneidet Bruens bei den Lärmimmissionen besser ab. Der finanzielle Aufwand, die Anlieger vor Lärm zu schützen, betrage dort ein Drittel von dem, was an der Alverskirchener Straße erforderlich sei, sagte Reinhold Ginski, Leiter der Bauverwaltung. Trotzdem sei der Gutachter überzeugt, dass an beiden Standorten die Belastungen für die Anlieger auf gleich null reduziert werden könnten. Der Lärmschutz spiele auch in dem Architektenwettbewerb, den die Stadtverwaltung ausschreiben will, eine entscheidende Rolle. Fritz Burrichter schlug eine Bedarfsampel vor, die es ermögliche, dass die Einsatzfahrzeuge ohne Martinshorn von der Wache auf die Straße einbiegen könnten. Die Fahrzeugbewegungen an sich seien in einem Wohngebiet zumutbar. Ein Sonderquerungsrecht der Bahn für die Feuerwehr am Standort Bruens dürfte utopisch bleiben. Heinrich Segbers von der DB Netz AG räumte dem praktisch keine Chance auf Genehmigung ein. Die Stadt müsste einen solchen technisch zu sichernden Übergang komplett selbst bezahlen. Kosten: 1,1 Millionen Euro. Außerdem sei an diesem Übergang mit Schrankenschließzeiten von bis zu neun Minuten zu rechnen. Christoph Boge warb dafür, diese Entscheidung in einem möglichst breiten Konsens zu treffen, um die Akzeptenz zu erhöhen. Die Stimmungslage im Ausschuss war gestern nicht eindeutig auszumachen, das Pendel schien aber ehr Richtung Bruens auszuschlagen. Die SPD hält dieses Gelände für den besseren Standort, weil eine Feuerwache nicht in ein Wohngebiet gehöre und die Chance einer schnelleren Realisierung bei Bruens größer sei. Außerdem sei der Erhalt des Bolzplatzes nicht gewürdigt worden. Die Grünen stellen die Belange der Feuerwehr nach vorne. „Das war Grundlage für unsere Entscheidung“, so Gerd Klünder, der dennoch nicht ausschloss, dass die Grünen notfalls auch eine „1 c – Lösung Bruens“ mittragen würden. Sein Fraktionskollege Uwe Werdermann allerdings ist gegen die Alverskirchener Straße, weil der Bolzplatz das Zentrum der Drostegärten sei. Die FDP, so sagte Detlev Dierkes, halte die Alverskirchener Straße für städtebaulich beklagbar. Gerade die Erwerber der Erbbaugrundstücke an der Beethovenstraße könnten einen Vertrauensschutz geltend machen. „Baurecht ist bei Bruens sicher eher machbar.“ Der Bürgermeister sieht hingegen auch am Orkotten juristische Risiken. Die CDU schien noch hin und her gerissen zu sein. Die alles entscheidende Frage formulierte der Ausschussvorsitzende Dietmar Große – Vogelsang so: „Was kostet das Ding?“ Wehrführer Alfons Huesmann ergriff ganz zum Schluss das Wort und rang um Fassung: „Ich kann nicht nachvollziehen, was hier gelaufen ist. Ein einsatztaktisch optimaler Standort wurde zerredet. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen.“ Die große Anzahl der auf den Zuhörerstühlen ausharrenden Kameraden applaudierte. Zum Thema Feuerwehr Kreisbrandmeister Heinz Nordhoff hat der Stadt in einem nochmaligen Schreiben bis nächsten Mittwoch eine Frist gesetzt, in der sie ein Grobkonzept für die Erreichung der Schutzziele vorlegen muss. Das teilte Bürgermeister Pieper zu Beginn der Ausschusssitzung mit. Wie berichtet, ist der Erreichungsgrad in diesem Jahr bis auf 40 Prozent abgesackt. Als Grund dafür sehe Nordhoff die Demotivation der Kameraden angesichts der jahrelangen vergeblichen Standortsuche, so Pieper. Der Kreisbrandmeister erwarte zukünftig eine wöchentliche Berichterstattung. Westfälische Nachrichten Mittwoch, 29. September 2010 Nr. 227 / 39. Woche, Ausg. TE Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Mehrheit für Bolzplatz Rat entscheidet sich für Feuerwehrgerätehaus an Alverskirchener Straße Von A. Große Hüttmann Telgte. Der Knoten ist durchschlagen: Mit großer Mehrheit hat sich der Rat gestern Abend bei lediglich drei Gegenstimmen aus den Reihen der SPD für den Bolzplatz an der Alverskirchener Straße als Standort für die neue Feuerwache ausgesprochen. „Ich freue mich, dass es heute eine so deutliche Mehrheit gegeben hat“, sagte Bürgermeister Wolfgang Pieper. Mit Blick auf die knapp 40 anwesenden Feuerwehrleutefügte er hinzu: „Sie haben ab dem heutigen Tag eine Perspektive.“ Gleichwohl, das machte er deutlich, sei weiterhin Geduld gefragt, denn das Verfahren brauche Zeit. Deutliche Worte auch von Wehrführer Alfons Huesmann. „Wir sind auf einem guten und richtigen Weg.“ An die Adresse der Anwohner gerichtet versprach er: „Wir werden ihnen gute Nachbarn sein.“ Die Anlieger wiederrum wollen sich voraussichtlich bereits in der kommenden Woche treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Dabei wird auch ein Rechtsanwalt anwesend sein, der sie über Klagemöglichkeiten und –chancen informiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer oder einige der Anwohner den Rechtsweg beschreiten, scheint derzeit hoch. Dabei stützt sich die Kritik vor allem auf die Ergebnisse des Lärmgutachtens. „Das war ein Prozess, der viel Unmut provoziert hat“, betonte Klaus Resnischek (SPD). Er habe einen Widerstand erlebt, den er in dieser Form bislang noch nicht festgestellt habe. Unter anderem deshalb seien Teile seiner Fraktion – auch er selbst – gegen den Standort an der Alverskirchener Straße. „Wir kommen auf dem Brunsgelände wesentlich schneller an Ziel“, war er sich sicher. „Wir wollen der Feuerwehr eine klare Perspektive aufzeigen und sehen keine Alternative zum Standort auf dem Bolzplatz“, betonte Frank Demmer von CDU – Fraktion. Denn: Das Alternativgrundstück Bruens stehe de fakto aus finanziellen Gründen nicht zur Verfügung. Er bat darum, im weiteren Verfahren ein besonderes Augenmerk auf den Lärmschutz zu richten und eine enge Bürgerbeteiligung zu realisieren. Klare Worte auch von Karin Horstmann (FDP), die sich mit ihrer Fraktion bislang immer für das Bruens – Areal ausgesprochen hatte. „Es ist nicht verantwortbar, dieses Gelände zu diesen Bedingungen zu kaufen“, sagte sie. Zudem habe bei der FDP auch den Ausschlag gegeben, dass eine Sonderquerung über die Bahngleise nicht möglich sei. Sabine Grohnert (Grüne) regte an, Kinder und Jugendliche an der Suche nach einem neuen Bolzplatzgelände zu beteiligen. Der ungefähre Zeitplan, den Bürgermeister Wolfgang Pieper vorstellte, ist eng gesteckt. Bereits im März kommenden Jahres will er das Bauleitverfahren auf den Weg bringen. Er rechnet damit, dass 2013 der erste Spatenstich erfolgen kann. Die Fertigstellung ist für 2014 anvisiert. Zur Auswahl eines qualifizierten Architekturbüros und um Alternativentwürfe zu bekommen, soll ein begrenztes Wettbewerbsverfahren durchgeführt werden. Parallel zu den Planungen für die neue Wache soll die Verwaltung auch den von der Bezirksregierung Münster geforderten Satteliten – Standort nördlich der Bahnlinie planerisch vorbereiten. Bestandteil des Gesamtprojektes ist ebenfalls – wie bereits berichtet – die Errichtung einer Rettungswache. Für deren Realisierung sollen schon bald vertragliche Regelungen mit dem Kreis Warendorf getroffen werden. Nicht nur Anlieger, sondern auch zahlreiche Feuerwehrleute verfolgten interessiert die Sitzung im Ratssaal. Stellenweise quittierten letztere die Äußerungen der Politiker mit lautem Beifall. Kommentar Die Entscheidung für den neuen Feuerwehrstandort an der Alverskirchener Straße fiel mit breiter Mehrheit. Das überraschte nicht wirklich, denn bereits im Vorfeld der Ratssitzung Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte war durchgesickert, dass der Bruens – Standort nahezu unbezahlbar ist. Mit dem Beschluss ist sicherlich ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer neuen Feuerwache getan. Doch ob damit bald schon baulich Fakten geschaffen werden können, das darf bezweifelt werden. Denn einige Anlieger – so erste Äußerungen – klagen. Dann wird das Verfahren weiter in die Länge gezogen, was für die Kameraden sicherlich nicht gerade motivationsfördernd ist – wie übrigens nahezu der gesamte Projektablauf bisher. Bei allem sicherlich berechtigten Für und Wider: Die Feuerwehrleute müssen endlich das Gefühl bekommen, dass ihre ehrenamtliche Arbeit geschätzt wird, und das ist nicht nur eine Frage des Standortes. Andreas Große Hüttmann
7) Seit 2015
Alverskirchener Straße 27 Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte Bauzeichnung des geplanten Neubaues von 2012. Die Nutzung hier von links nach rechts: Tor 14 – Werkstatt Tor 13 – Waschhalle Tor 12 & 11 – Hochregallager Tor 11 – PKW Tor 10 bis 1 – Einsatzfahrzeuge Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Ein Teil des Gebäudes verfügte über eine weitere Etage. Hier befanden sich Büros und Unterrichtsräume. So soll es aussehen, das neue Feuerwehrgerätehaus, Wache Süd, mit angeschlossener Rettungswache an der Alverskirchener Straße. FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Vor dem Bau stehen die Kosten. Veranschlagt wurde das Vorhaben mit 6,4 Mio. €, inklusive der Rettungswache. Zu viel, nach der Auffassung des Rates. Bevor die Kosten für das Gebäude im uferlosen enden, sollten diese gedeckelt werden. Maximal 5,6 Mio. € (4,6 Mio. € Gerätehaus, 1 Mio. € Rettungswache durch den Kreis Warendorf). Aus diesem Grund wurde mit dem Bau des Übungsturmes erst später begonnen, als das Ziel erreichbar schien. Es wurde sogar anfangs in Erwägung gezogen auch die Anzahl der Tore zu reduzieren, um auch hier Kosten einsparen zu können. Da die Kosten im Rahmen blieben wurde, zeitversetzt, dann auch mit dem Bau des Übungsturm begonnen. Am 14. November 2013 wurde das neue Gerätehaus endlich auch real greifbar. Mit dem obligatorischen „ersten Spatenstich“ starteten offiziell die Bauarbeiten. www.feuerwehr-telgte.de
Bedingt durch einen besonders milden Winter konnten die Rohbauarbeiten bereits gegen Ende April 2014, nach nur 17 Wochen Bauzeit, abgeschlossen werden. FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Somit konnte am (Freitag) 13. Juni 2014 im Beisein zahlreicher Gäste das Richtfest gefeiert werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits der Innenausbau durch verschiedene Gewerke vorangetrieben, und im Gebäude des Rettungsdienstes waren schon Fenster eingebaut. FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Da es währende der gesamten Bauphase zu keinen größeren Verzögerungen gekommen war, waren Mitte November 2014 alle Hallentore in der Rettungswache und dem Feuerwehrgerätehaus eingebaut. Das war gerade im Bezug auf die Jahreszeit von großem Vorteil, weil hierdurch der komplette weitere Innenausbau wetterunabhängig vorangetrieben werden konnte. Im Januar 2015 wurde dann auch mit dem Bau des Übungsturmes begonnen. Es wurde absichtlich so spät begonnen, da der Bau erst realisiert werden sollte, wenn das übrige Bauvorhaben den geplanten Kostenrahmen nicht sprengt. Allerdings verzögerten sich die Bauarbeiten ein wenig, da es bei den Klinkersteinen Lieferschwierigkeiten gab. Der Umzug ins neue Feuerwehrgerätehaus wurde zunächst auf den 16. Mai 2015 festgelegt, musste jedoch wegen fehlerhaften Bauarbeiten im Dachbereich verschoben werden. Am 01.06.2015 war es dann endlich soweit, das neue Gerätehaus konnte bezogen werden. FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen
Die offizielle Einweihung mit geladenen Gästen fand am 22. August, mit einer Feier für Nachbarn und Nachbarwehren datiert. Um den Telgter Bürgerinnen und Bürgern das neue Gebäude zu präsentieren gab es am 23. August 2015 einen Tag der offenen Tür. Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Beide Veranstaltungen, besonders der Tag der offenen Tür, treffen den Geschmack der Besucher. Laut Tageszeitung waren 5.000 bis 6.000 Besuch zu Gast, um sich einen Eindruck über die Räumlichkeiten zu verschaffen Bereits 2022 tauchten ernsthafte Probleme in dem neuen Gerätehaus auf. Fast in den gesamten Räumlichkeiten lockerten sich die Sockelfliesen und mussten neu verklebt werden. Nach kurzer Ruhe ereignete sich selbiges an den Wänden in der Werkstatt- und Waschhalle. Die WN berichteten am 11.04.2023 in einem großen Bericht darüber. FF Telgte, Löschzug Telgte, UBM H. Dreesen Die Fliesen fallen von der Wand … Wer sich in der Feuerwache … die Wandfliesen genauer ansieht, der erkennt den Schaden sofort: Vor allem in der Waschhalle und in der Werkstatt sind mittlerweile etliche von der Wand gefallen oder aus Sicherheitsgründen bewusst abgenommen worden eine Reparatur ist dringend notwendig. Und die, so eine erste Kostenschätzung im städtischen Haushalt, wird rund 20 000 Euro kosten – aktuell mit dem Vorbehalt, dass die Haushaltssperre, …, eine direkte Umsetzung verhindert. … Die Ursache, Undichtigkeiten im Bereich der Dachhaut oder nicht fachgerechte Ausführung des Untergrundes bzw. Putzsystems … soll durch einen Sachverständigen überprüft werden. Dabei ist auch zu klären, ob überhaupt noch Gewährleistungsansprüche geltend gemacht werden könne, … Westfälische Nachrichten Dienstag, 11.04.2023 Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Auch im Bereich des Bodens der Fahrzeughalle tauchten hier Probleme auf. Aufgrund knapper Kassen im Städtischen Haushalt zog sich dieser Zustand bis August 2024 hin. Erst jetzt wurden die Wände der Werkstatt- und Waschhalle neu verfliest.
8) 2015 – 2024
Satellitenstandort Ritterstraße 46 – 48 Aufgrund knapper Kassen wurde sehr schnell die Idee geboren als Standort Nord keinen Neubau zu errichten, sondern zunächst das alte Feuerwehrgerätehaus in der Innenstadt zu nutzen. Da das Gebäude natürlich nur noch zu einem kleinen Teil von der Feuerwehr genutzt wurde, konnte ein Teil des Gebäudes den Einsatzkräften des DRK und der DLRG zur Verfügung gestellt werden. Trotz allem war natürlich hinreichend bekannt, dass dieses Gebäude abgängig ist, und eine Sanierung jegliche Rahmen sprengen würde. Deshalb wurde erneut die Überlegung angestoßen einen neuen Nord – Standort zu errichten. Zahlreiche Grundstücke standen zur Diskussion - 2014 Ostbeverner Straße, gegenüber dem Supermarkt - Ecke West- und Ostbeverner Straße - Parkplatz zwischen Ostbeverner Straße und Einener Straße Abzuwägen galt es immer zwischen Nutzen, Platz, Einschränkungen für die Anwohner und Realisierbarkeit des Vorhabens. Und natürlich gab es auch hier Widerstand der Anwohner, die gegen einen möglichen Standort Klage einreichten. Im Hinblick auf den kommenden Neubau in Westbevern sollte dann auch geprüft werden, in wie weit ein weiterer Standort in Telgte notwendig sei, bzw. der Löschzug Westbevern diese Aufgaben, unter Berücksichtigung der Zeitlichen Vorgaben, mit abdecken kann. Fristverlängerung für Löschgruppe Telgte – Der Brandschutzbedarfsplan hat im Rat die letzte Hürde genommen. Nach einigen Änderungen, vorwiegend beantragt von der CDU – Fraktion, steht der Plan nun fest. Nicht aufgegeben wird der Standort Nord, auch wenn er beklagt ist. Und die Raestruper Löschgruppe hat eine Verlängerung um ein halbes Jahr bekommen. Von Thomas Biniossek … Keinen Zweifel ließ allerdings Karin Horstmann (FDP) daran, dass ihre Fraktion geschlossen gegen einen Standort Nord an der Kreuzung Westund Ostbeverner Straße sei. Der Bürgermeister hingegen warb darum, das dortige Gelände für einen Feuerwehrstandort weiter zu favorisieren, auch wenn das von Anwohnern beklagt wurde. „Wir gehen zwar davon aus, dass wir einen Standort Nord nicht brauchen. Wir sollten uns aber die Option offen halten, bis wir konkrete Zahlen haben, wenn wir Westbeverns Feuerwehrhaus neu oder umgebaut haben und die Umgehen Süd läuft“, sagte Boge. Westfälische Nachrichten Mittwoch, 25.10.2017 Das „Provisorium Nordstandort“, in dem mittlerweile sehr maroden Gebäude, an der Ritterstraße fand 2024 durch den Gemeinsamen Brandschutzbedarfsplan der TEO – Feuerwehren ein Ende.
9) geplanter Neubau Satellitenstandort
Als die beste Lösung eines „Satellitenstandortes Nord“ kristallisierte sich ein Eckgrundstück an der Kreuzung Einener Straße / Ostbeverner Straße heraus. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte Auch hier fand der Standort keine positive Resonanz bei den Anwohnern. Der folgende Widerstand bezüglich der gerichtlichen Feststellung das die erteilte Baugenehmigung unrechtmäßig ist, soll hier kurz wiedergegeben werden. 2015 Erteilung einer Baugenehmigung durch den Kreis Warendorf für die Stadt Telgte einen Satellitenstandort der Freiwillige Feuerwehr Telgte auf dem Grundstück Einener Straße / Ostbeverner Straße zu errichten. 2017 Klage der Anwohner vor dem Verwaltungsgericht (VG) Münster Urteil: Die ausgestellte Baugenehmigung ist nicht rechtmäßig. Sowohl Kreis Warendorf und Stadt Telgte gingen gegen das Urteil in Berufung. 2019 Revision vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster Urteil: Unter Auflagen ist die erteilte Baugenehmigung rechtmäßig. Eine erneute Revision wurde nicht zugelassen. Die Anwohner reichten eine Revisionsnichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig ein. 2020 Eine Entscheidung zur Revisionszulassungsbeschwerde der Anwohner ergab, dass eine Revision zulässig sei. Somit wurde das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster nicht rechtskräftig. 2022 Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVG) Leipzig Urteil: Die vom Kreis Warendorf 2015 erteilte Baugenehmigung ist rechtmäßig und somit nun auch rechtskräftig. Durch den Bereits erwähnten Brandschutzbedarfsplan der TEO – Feuerwehren 2024, und den dadurch nicht mehr erforderlichen Satellitenstandort im Norden von Telgte, bestand keine weitere Notwendigkeit für einen Neubau. Der bisher genutzte Standort Nord im alten Gerätehaus an der Ritterstraße wurde 2024 stillgelegt und nicht weiter genutzt. Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Telgte