Chronik Feuerwehr Telgte
Seit 1885

Lied von der Glocke

Lied von der Glocke von Friedrich von Schiller Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht und was er bildet, was er schafft, das dankt er dieser Himmelskraft, doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft, einhertritt auf der eigenen Spur, die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn sie losgelassen wachsend ohne Wiederstand durch die volkbelebten Gassen wälzt den ungeheueren Brand! Denn die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand. Aus der Wolke quillt des Segen, strömt der Regen, aus der Wolke, ohne Wahl, zuckt der Strahl! Hört ihr`s wimmern hoch vom Turm? Das ist Sturm! Rot wie Blut ist der Himmel, das ist nicht des Tages Glut! Welch Getümmel Flackernd steigt die Feuersäule, durch die Straße lange Zeile wächst es fort in Windeseile, kochend wie aus Ofens Rachen glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern unter Trümmern, alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet, durch die Hände lange Kette um die Wette fliegt der Eimer, hoch im Bogen spritzen Quellen, Wasserwogen. Heulend kommt der Sturm geflogen, der die Flamme brausend sucht. Prasselnd in die dürre Frucht fällt sie in des Speichers Räume, in der Sparren dürre Bäume, und als wollte sie im Wehen mit sich fort der Erde Wucht reißen, in gewaltger Flucht, wächst sie in des Himmels Höhen Riesengroß! Hoffnungslos weicht der Mensch der Götterstärke, müßig sieht er seine Werke und bewundernd Leergebrannt ist die Stätte, wilde Stürme rauhes Bette, in den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen, und des Himmels Wolken schauen hoch hinein. Einen Blick nach dem Grabe seiner Habe Sendet noch der Mensch zurück, greift fröhlich dann zum Wanderstabe. Was Feuers Wut ihm auch geraubt, ein süßer Tod ist ihm geblieben: er zählt die Häupter seiner Lieben, und sieh! Ihm fehlt kein teueres Haupt.