Ein ganz normaler Einsatz
Ein ganz normaler Einsatz? Montag früh. 2.30 Uhr. Ein lautes Piepen. Nein, nicht der Wecker, mein Funkmelder holt mich aus dem Schlaf. Ich haste aus meinem Bett, taste mich zum Lichtschalter vor. An der Tür hängt griffbereit meine Jogginghose, die Socken sind auch gleich in den Taschen. Das Licht gleich wieder aus, nur die Frau und die Kinder nicht wecken. Auf dem Weg zur Tür noch schnell die Socken an, rein in die Schuhe, Schlüssel, Papiere. Jetzt geht´s los, es sind ja nur drei Straßenzüge. Es ist kein Verkehr. Am Feuerwehrhaus angekommen fahren gerade die Rolltore hoch. Alles ist hell erleuchtet. Zwei Kameraden sind schon da. Ich renne zu meinem Spind. Rein in die Latzhose – Stiefel – Einheit, Jacke, Gurt, Helm alles läuft automatisch, blitzschnell, wie schon hundertmal vorher. Routine. „Hast du die Durchsage gehört? Was ist los?“ Schnell ein Blick auf das Alarmfax. Da steht alles drauf: Name, Adresse, Wohnungsbrand. Verdächtige Rauchentwicklung. Um mich herum nehme ich weitere Kollegen war, alle beeilen sich. Gerade noch im Bett – in der nächsten Sekunde schon Höchstleistung bringen. Ich laufe zum Fahrzeug. Der Motor läuft schon, jeder kennt seinen Platz. Ich setze mich in die Mannschaftskabine und beginne, mich mit dem Atemschutzgerät auszurüsten. Weitere Kameraden steigen ein. Vorne sagt jemand „Abfahrt“ und ruft noch einem herbeigeeilten Kollegen etwa zu. Aber das kann ich schon nicht mehr richtig verstehen, genauso wenig wie die Funksprüche. Ich Ziehe gerade die Maske fest. Wir müssen uns beeilen, es ist nur eine kurze Anfahrt bis zur Brandstelle. Druck prüfen, Dichtungsprüfung. „Seid ihr fertig?“, fragt der Gruppenführer, „Rauch ist bestätigt, Polizei ist schon vor Ort.“ Schnell das Funkgerät einstecken, die Handlampe greifen. Vor uns ein weiteres Blaulichtfahrzeug. Der Rettungswagen der nahegelegenen FKT – Rettungswache. Wir sind da. Absitzen. Die Rollläden flitzen hoch, wir greifen uns Strahlrohre, Schläuche, Axt, Leine, Fluchthauben. Zwei Kameraden sind uns bei der Entnahme behilflich. Der Maschinist nimmt noch die Überwachungsplaketten von unseren Atemschutzgeräten ab. Der Gruppenführer ist schon mal vorgelaufen. Wir marschieren mit den Gerätschaften hinterher, schließen unseren C – Schlauch an den In Morgenmänteln bekleidete Bewohner kommen uns entgegen. „Wir haben alle raus, nur die Brandwohnung ist noch zu, der Mieter lebt allein, soll auf Nachtschicht sein. Wir kriegen die Tür nicht auf. Ihr braucht eine Brechstange“, schreit uns ein Polizist entgegen. `Das wird schon mit der Axt gehen`, denke ich und weiter geht`s. Zum Glück nur wenig Rauch im Treppenhaus und somit gute Sicht, sonst wäre ich auch bestimmt über den Kinderwagen und den Tretroller gestolpert. Ein Funkspruch und unser Schlauch füllt sich mit Wasser. Jetzt aber. Ein Hieb, und die Tür splittert auf. Deckung. Auf die Knie. Dicker schwarzer Rauch quillt uns entgegen. Keine Flammen zu sehen. Wir tasten uns weiter vor, kriechend, krabbelnd den Schlauch im Anschlag. Der nächste Raum ist gleich die Küche, hier ist der Rauch am stärksten. Aber immer noch keine Flammen. Keine Brandgeräusche. Also Fenster auf. Durchlüften. Wo ist die Brandquelle? Das verschmorte Etwas auf dem Herd könnte ein Kochtopf gewesen sein. War das die Ursache? Die ganze Aufregung wegen eines vergessenen Essens auf dem eingeschalteten Herd? Jetzt schnell den Rest der Wohnung absuchen. Es könnte ja sein, dass doch noch jemand da ist. Draußen ist inzwischen richtig was los. Der Löschzug der Berufsfeuerwehr ist mit zwei Löschfahrzeugen und der Drehleiter vor Ort. Auch ein weiterer, vorsorglicher Rettungswagen und der Einsatzleitwagen sind da. Und natürlich auch unser zweites Löschfahrzeug. Und Schaulustige, Polizei, besorgten Nachbarn, die Presse, Stadtwerke. Ich sehe einen aufgeregten Mann wild gestikulierend mit dem Einsatzleiter diskutieren. Das ist wohl der Wohnungsinhaber, der zurück in seine Wohnung will. Wir können unsere Gerätschaften ablegen. Jetzt noch schnell die Schläuche einrollen und dann geht`s erst mal zur Wache der BF, um die gebrauchten Geräte zu tauschen. Es muss ja alles für den nächsten Einsatz wieder bereit sein. So fertig, wieder alles an seinem Platz. Umziehen. Autoschlüssel. Tschüß. Alles noch mal gut gegangen. Wieder sind zwei Stunden meiner Nachtruhe futsch, aber das Gefühl, geholfen zu haben, gleicht alles aus.
Aus der Festschrift
„100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Osnabrück – Schinkel“