Waldbrand 10.1959
Waldbrand 17. Oktober 1959 im Berdel Im Oktober 1959 hatte sich eine große Trockenheit über ganz Deutschland verbreitet. Am Samstag dem 17. Oktober 1959 kam morgens der erste Alarm: Schwellenbrände an der Bahnstrecke Telgte – Münster. Zu den Bränden kam es, weil noch sehr viele Dampflokomotiven auf Schienen fuhren, die auf Holzschwellen verlegt waren. Wir fuhren mit unserem TLF 16 auf der linken Fahrbahn Richtung Münster, mit eingeschaltetem Blaulicht, um den entgegenkommenden Verkehr zu warnen. Wir machten uns daraus einen „Sport“ daraus, ob wir mit einer Tankfüllung Wasser, immerhin 2500 l Wasser, bis Handorf auskamen! Hier war die Grenze unseres Schutzbereiches. In dieser Zeit hatten wir jeden Tag einen Wald- oder Flächenbrand, manchmal sogar zwei. So kamen wir in 14 Tagen auf 19 Einsätze! Der Höhepunkt war der letzte Samstag in dem o. g. Zeitraum. Morgens bekämpften wir über zwei Stunden Schwellenbrände auf den Bahnstrecke von Handorf nach Raestrup. Gegen 14 Uhr wurden wir zu einem Waldbrand in der Fockenbrocksheide alarmiert – der fünfte innerhalb von 14 Tagen. Nachdem das Feuer gelöscht war suchten wir den Boden nach der Ursache für diesen Brand ab. Allem Anschein nach lag diese in einer Cola – Flasche, die wie ein Brennglas wirkte. Müde und kaputt legte ich mich nach diesem Einsatz zuhause im Hof in einen Liegestuhl und ruhte mich aus. Gegen 19 Uhr gab es erneut Brandalarm. Zu dieser Zeit ahnte noch niemand das dies der größte Waldbrand in der Geschichte der Amtsfeuerwehr Telgte werden sollte. Im Berdel, wo heute der Flughafen ist, war ein dichter Mischwald, der von der Wolbecker – Straße bis zur Alverskirchener – Straße reichte. An drei Stellen unweit dieser Verbindungsstraße brannte es. Mit dem LF 15 waren wir von der Wolbecker – Straße abgebogen, und sahen „nur“ ein kleines vermeintliches Lagerfeuer. Also stoppten wir, Bratschen und Schüppen zur Hand und rein in den Busch. Mir war so, als ob Benzingeruch in der Luft lag, und ich machte meine Kameraden lautstark darauf aufmerksam, doch keiner roch es bzw. reagierte darauf. Im selben Augenblick ertönte von unserem Wehrführer das Signal auf der Trillerpfeife: „Zum Fahrzeug zurück“. Kaum waren wir über den Graben zur Straße gesprungen erfolgte eine Durchzündung, da der Brandstifter einen großen Kreis mit Benzin gelegt hatte. Wenn der Wehrführer uns nicht zurückgerufen hätte oder wir nicht auf sein Signal reagiert hätten, hätten wir neun Kameraden schwere Verbrennungen erlitten. Nicht auszumahlen was sonst noch alles hätte passieren können. Dabei hatte uns der Wehrführer „nur“ zurückberufen um eine in der Nähe gelegene Jagdhütte vor dem Feuer zu schützen. Hierzu reichte aber, aufgrund der extremen Trockenheit, unser Löschwasser nicht aus. Aufgrund des sich schnell ausbreitenden Waldbrandes wurde für die Feuerwehren des Landkreises Münster Großalarm gegeben. Das bedeutete das durch den Kreisbrandmeister Tonius Große Kleimann alle verfügbaren Tanklöschfahrzeuge aus dem Landkreis Münster zum Einsatz nach Telgte beordert wurden. Von den Stadtwerken Münster wurden mehrer Wasserwagen mit 5000 l Fassungsvermögen angefordert, die von der Polizei nach Telgte eskortiert wurden. Mit drei solchen Wasserwagen wurde ein Pendelverkehr eingerichtet, immer begleitet von einem Streifenwagen, um keine Zeit zu verlieren. Tag und Nacht, pausenlos, auch wenn das Horn nur bei Verkehr eingeschaltet wurde, kamen die Anwohner am Steintor nicht zur Ruhe. Die Wasserentnahme erfolgte an drei Wasserentnahmestellen: 1. an der Ems, Kösters Bleiche (heute Rathaus) 2. Unterflurhydrant Harckenforts Tankstelle (heute Grünstreifen gegenüber Bracht) 3. Gerätehaus Ritterstraße Auf diese Weise wurde das so dringend benötigte Löschwasser der Einsatzstelle zugeführt. Doch bis diese aufwendige Wasserversorgung stand, hatte sich der Brand bereits mit rasantem Tempo weiter ausgebreitet. Wo heute die Start- und Landebahn des Flughafen Telgte ist, standen 4 ha Wald in Flammen. Mit der an der Einsatzstelle eingerichteten Ringleitung kamen wir nicht mehr zurecht, und so forderte der Kreisbrandmeister die Bundeswehr zur Unterstützung an. Gegen 22.30 Uhr bot sich den Einsatzkräften vor Ort ein imposantes Bild. Die Bundeswehr traf an der Einsatzstelle ein, zwei Jeep der Feldjäger mit Blaulicht, einige LKW mit der Mannschaft, zwei Fahrzeuge mit der Feldküche, und dann mit viel Getöse zwei Bergepanzer. Zunächst musste die Zusammenarbeit mit dem Kommandeur abgeklärt werden. Meine Funktion war es, als Melder des Wehrführers, Befehle weiterzuleiten. Unser Wehrführer Bernhard Rumphorst gab die Einsatzleitung dann an Günther Karthaus ab. Somit habe ich erleben dürfen, dass zunächst einmal abgeklärt werden musste, wer die Einsatzleitung inne hatte. Das war eine spannende Sache, denn erst als der KBM dem Kommandeur unmissverständlich erklärt hatte, das er der Einsatzleiter sei und die Bundeswehr „nur“ Amtshilfe leiste, ging es weiter. Mit den Panzerfahrern wurde ein „Zangenangriff“ vereinbart, bei dem sie Schneisen in den Wald fuhren, damit wir unsere Ringleitung vergrößern konnten. Die Feldküche der Bundeswehr hatte sich währenddessen eingerichtet. In großen Kesseln wurde schwarzer Tee zubereitet, und später von Jeeps verteilt. Dann hieß es für die Rekruten absitzen und antreten. Ich traute meinen Augen nicht. Alles junge Kerle die gerade ihre Grundausbildung beendet hatten in feldmarschmäßiger Ausrüstung. Unser KBM schüttelte mit dem Kopf, und wieder ein großes Palawa. Doch er setzte sich durch, „Marscherleichterung für alle!“. Also blieben die Tornister auf den Fahrzeugen, und mit Helm, Mundtuch und Spaten „bewaffnet“ mussten sie ausschwärmen und unter der Leitung erfahrener Feuerwehrmänner bei der Brandbekämpfung helfen. Ununterbrochen legten die Panzer bei ihrer Fahrt durch den Wald breite Schneisen an. Es war schon sehr imposant zu sehen wie sie so 3, manchmal sogar 4 Bäume auf einmal wie Streichhölzer umknickten. Mit ihrem Räumschild schoben sie dann das Holz zur Seite, und so entstand eine ca. 5 m breite holzfrei Schneise die das Feuer nicht überwinden konnte. Nun erst konnten wir gezielt und effizient mit unseren Löscharbeiten fortfahren. Obwohl wir die ganze Nacht durcharbeiteten hatten wir den Brand in den Frühen Morgenstunden des 18. Oktober noch nicht ganz unter Kontrolle. Trotzdem wurde die Bundeswehr und die Feuerwehreinheiten des Landkreises Münster abgezogen und durch die Feuerwehreinheiten des Landkreises Warendorf – Beckum Nach eines kurzen Ruhezeit von 6 Stunden wurden erneut alarmiert und wir fingen an noch verbliebene Brandnester abzulöschen. Bis in die Morgenstunden des Diensttag, den 20. Oktober 1959, war die gesamte Amtsfeuerwehr Telgte rund um die Uhr im Einsatz, unterstützt von den Kameraden der Nachbarwehren Handorf, Wolbeck, Alverskirchen, Everswinkel, Einen und Ostbevern. Noch während des Einsatzes nahm die Kripo die Ermittlungen auf, und kam zu dem Ergebnis das es sich um Brandstiftung handelte. Drei Brandstellen waren bei unserem Eintreffen bekannt. In den frühen Morgenstunden des Sonntags wurde eine vierte Brandstelle gesichert, die nicht gezündet hatte. Hier wurden in einem Jutesäckchen Geschäftspapiere des Brandstifters vorgefunden, der daraufhin gegen 11 Uhr in seiner Kneipe am Stammtisch verhaftet wurde. Dieser Großeinsatz zwischen den Nachbarwehren führte zu einer intensiveren Zusammenarbeit, und die Zeiten „Das ist unser Feuer!“ waren endgültig vorbei.