WN 20.02.2010, 1960
Beim Aufhängen der Schläuche wackelte der Turm Geschichte wiederholt sich: Vor 50 Jahren wurde an der Ritterstraße eine neue Feuerwache eingeweiht, weil die alte baufällig war Von Andreas Große Hüttmann Telgte. Reinhold Flüthe sen. kann sich noch gut erinnern. „Der Turm der alten Wache war so baufällig, dass er immer wackelte, wenn wir nach einem Einsatz die Schläuche zum Trocknen nach oben gezogen haben“, sagt der Feuerwehrmann, heute Mitglied der Ehrenabteilung. Diese Baufälligkeit der alten Feuerwache führte dazu, dass sich die Stadt vor mehr als 50 Jahren auf Initiative von Bürgermeister Bernhard Rumphorst, zugleich Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr, dazu entschloss, die alte Wache durch eine neue und größere zu ersetzen. Dazu wirde nicht nur das bisherige Grundstück an der Ritterstarße genutzt, sondern auch das direkt daran angrenzende Haus Bittmann gekauft und abgerissen. Passend zum Jubiläum, die Feuerwehr feierte 1960 ihr 75 – jähriges Bestehen, konnte das neue Gerätehaus nach rund sechsmonatiger Bauzeit seiner Bestimmung übergeben werden. Die Hochbauarbeiten wurden von zwei Telgter Unternehmen gemeinsam durchgeführt. Die Planungen hatte der Amtsbaumeister Josef Klaverkamp durchgeführt. 285 000 Mark kostete der Neubau, der die Wache samt Schlauchtrocknungsturm, einen Schulungsraum und eine Wohnung umfasste. Dabei handelte es sich um den ersten Bauabschnitt, heute der linke Teil der Feuerwache an der Ritterstraße. Knapp 20 Jahre später wurde das Gerätehaus noch einmal erweitert. Der Standort in der Innenstadt, daran kann sich Reinhold Flüthe noch gut erinnern, sei wichtig gewesen. Ein Grund dafür war, dass die Feuerwehr schnell zu Unfällen an der Ems sein konnte, um etwa Ertrinkende zu retten. „Das war damals noch vergleichsweise häufig der Fall“, so der erfahrene Feuerwehrmann. Das Jubiläum samt der Einweihung der neuen Feuerwache wurde zu einem großen Fest. Vier Tage lang wurde gefeiert. Neben einem großen Zapfenstreich, bei dem der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr unter der Leitung von Musikmeister Schütz aufspielte, stand die Einweihung des neuen Gebäudes im Mittel. Rund 70 Feuerwehrleute und Mitglieder des Roten Kreuzes traten dazu am 28. August 1960 an der Ritterstarße an. Ein dickes Lob für die Feuerwehr gab es bei dieser Gelegenheit vom Amtsdirektor Hans Melchers. Er würdigte die Arbeit von Feuerwehr und Polizei für die öffentliche Sicherheit, bevor der stellvertretende Amtsbürgermeister Anton Pröbsting den Schlussstein in die Außenwand der neuen Wache einmauerte. Die Einsegnung nahm Probst Clemens Bringemeier vor. Er erinnerte in seiner Ansprache daran, dass die Menschen dank modernster Technik der zerstörerischen Kraft des Feuers nicht mehr schutzlos ausgeliefert seien. Insofern sei die neue Wache vor allem dazu notwendig, um mit neusten Mitteln der TechnikKatastrophen früh und erfolgreich bekämpfen zu können. Heute – 50 Jahre nach Inbetriebnahme des Gerätehauses – wartet die Feuerwehr sehnlichst darauf, wieder ein neues Gebäude beziehen zu können. Anders als Damals, wird es damit im Jubiläumsjahr „125 Jahre Feuerwehr“ aber nichts mehr. Westfälische Nachrichten Telgte Samstag, 20. Februar 2010 Nr. 43 RTEL 3