15.08.1944
Als der Krieg nach Telgte kam ... Dienstag, den 15. August 1944 Ein sehr warmer Sommertag, jeder hoffte auf einen ruhigen Tag, den man genießen konnte. Fliegerangriff auf den Flugplatz Handorf. Diesmal bekamen wir Telgter einiges ab! Voralarm sehr früh, gegen Mittag fielen Bomben, die Luftabwehr setzte sofort ein. Blicken wir mal in das Archiv der Feuerwehr Telgte. 4 Brandmeldungen fast gleichzeitig! Lagebericht Brand Bils vom 15.08.1944 Anläßlich eines feindlichen Fliegerangriffes war das Gebäude des Auto – Hauderers B. Bils Telgte Bauernschaft Verth in Brand geraten. Die Gruppe „LF 15“ der freiwilligen Feuerwehr Telgte wurde gegen 11.45 Uhr alarmiert. Die vorgefundene Lage war folgende. Stabbrandbomben hatten das östliche am Wohnhaus angebaute Nebengebäude (keine Stallungen, Wagenremise, Reifenlager usw.) in Brand gesetzt. Dieses Nebengebäude stand bei Eintreffen der Wehr in hellen Flammen. Das nötige Löschwasser wurde aus der Ems durch 2 B – Leitungen zugeführt so daß mit 6 Strahlrohren der Brand bekämpft wurde. Gegen 15 Uhr war die Brandstelle vollkommen abgelöscht. Der Kraftstoffverbrauch beträgt 80 kg Rohöl. Was waren das für Männer, die an der Brandbekämpfung beteiligt waren: Die Wachtmeister der Feuerwehr Telgte - Bernhard Rumphorst, Gastwirt am Steintor - Willy Lodde, Schumachermeister, Münsterstraße - Paul Rolf, Seilermeister, Voßhof - Heinrich Westermann, Getränkehändler, Münsterstraße - Bernhard Sickmann, Schneidermeister, Am Schilde - Bernhard Kobring, Metaller bei Winkhaus, Voßhof - Josef Nieße, Mitarbeiter der Stadt Telgte, Mühlenstraße Rottwachtmeister der Feuerwehr - Max Lange, Bezirksschonsteinfegermeister - Eduard Holtmann jun., Dachdeckermeister, Münstertor Von der HJ – Feuerwehrschar Ferdi Eichholt, Ewald Klömmer, Bernhard Kortenbrede, Willy Wienströer, Ewald Siegemeier, Heinz Kaiser, Bernhard Brandhove, Ewald Kaulingfrecks, Erwin Schulte gez. Bernhard Rumphorst Wachtmeister der Feuerwehr Lagebericht Brand Wienker – Greßhake – Jöster Auf Befehl des örtlichen Luftschutzleiters teilte ich 3 Gruppen wie folgt ein. Das LF 15 unter Führung von Wachtmeister Rumphorst zur Brandstelle Bils. Eine weitere Gruppe mit einer TS 8 unter Führung von Hautwachtmeister Jürgens wurde zu den beiden nebeneinander liegenden Häuser Greßhake & Jöster beordert. Bei Jöster war es schnell gelöscht, dank des Luftschutzwartes mit seinen Selbstschutzkräften, hatten in hervorragender Weise die eingeschlagenen Brandbomben bekämpft! Greßhake brannte auf voller Die dritte Gruppe unter der Leitung von Hauptwachtmeister Kapusta mit einer TS 8 wurde bei Wienker eingesetzt. Auch hier waren die Wasserverhältnisse sehr schwierig. Das Wohnhaus stand in hellen Flammen. Vom RAD Lager musste das Löschwasser herangeführt werden. Nach ablöschen des Hauses Greßhake, traf die zweite Gruppe bei Wienker ein, so daß nun aus einem weiteren Teich das Wasser gefördert werden konnte. Nachdem eine Brandwache gestellt war, rückten beide Gruppen um 21 Uhr wieder ein. Kraftstoffverbrauch 190 l Benzin. An dem Einsatz waren beteiligt: Meister der Feuerwehr - Heinrich Holtmann, Dachdeckermeister, Münstertor Hauptwachtmeister - Theo Jürgens, Kohlenhändler, Alter Warendorfer Weg - Anton Kapusta, Schmiedemeister, Münsterstraße Wachtmeister - Franz Stadtmann, Friseurmeister, Münsterstraße - Theo Deus, Malermeister, Wolbeckerstraße - Wilhelm Brockamp, Fuhrunternehmer, Grabenstraße - Anton Hölscher, Schumachermeister, Königstraße - Theo Weyer, Fuhrunternehmer, Vosshof - Heinrich Brockamp, Fuhrunternehmer, Grabenstraße - Franz Flüthe, Uhrmachermeister, Münsterstraße Von der HJ – Feuerwehrschar B. Fockenbrock, H. Deus, Joh. Hauk, Helmut Simmer, Heinz Knappheide, Ewald Siegemeier gez. H. Holtmann Meister der Feuerwehr Schauen wir mal in die Chronik der Pfarrgemeinde St. Clemens. Chronist Probst Clemens Bringemeier 15. August 1944 Heute erlebte Telgte einen Großangriff durch feindliche Fliege. Es war um die Mittagszeit. Voralarm war gegeben, aber ehe der Voralarm ausgelöst wurde, fielen schon die Bomben: Sprengbomben und ungezählte Brandbomben. Wir hatten in der Propstei keine Zeit mehr, den Luftschutzkeller in der Vikarie aufzusuchen. Die Fensterscheiben in der Diele fielen klirrend zu Boden, ebenso die Fenster vom Saal. Jenseits der Ems, in dem Pappelwäldchen, war eine Sprengbombe gefallen. Durch den ausgelösten Luftdruck waren die Ziegel vom Kirchendach an der Nordseite zum großen Teil herunter geworfen. Ebenso wurden die Chorfenster eingedrückt (die Verglasung mit Steinrippen) vor allem auf der Evangelienseite. Der Angriff dauerte etwa eine halbe Stunde. Nachher brannte ein Schuppen bei Bils, das Wohnhaus vom Sägewerk Bernhard Wienker, das Wohnhaus Greshake, Wittenhövener, Kraß, Pohlmann, Bückmann, Lockenkötter. Das Rochus – Hospital erhielt einen schweren Bombentreffer. Getötet wurden die Eheleute Möllers von der Bahnhofstraße, die bei dem Hause Holtkötter getroffen wurden, Franziska Niemann, die im Haus Kraß getötet wurde, Eheleute Holtkötter und der Sohn Peter. Von dem furchtbaren Luftdruck der Bombe (Luftmine) wodurch die Familie Holtkötter getötet wurde, wurden die Leichen der Frau und des Sohnes Peter über die 14 m hohen Lindenbäume der Straße Telgte – Münster hinweggeschleudert und wurden ca. 100 m weiter in der Nähe des Böhmerbaches gefunden. Alle Getöteten wurden zusammen am 19. August auf dem katholischen Friedhof beerdigt. Am folgenden Sonntag, dem 20. August, Festfeier Maria Himmelfahrt, wurde folgende Kanzelverkündigung verlesen: „Der letzte Dienstag, der 15. August, hat über vielen Familien unserer Pfarrgemeinde großes Leid gebracht. Wir alle sind den Schwergeprüften in herzlicher Teilnahme verbunden. Wenn wir aber hinsehen auf die vielen Einschläge der Brandbomben und schwerer und schwerster Sprengbomben, die kreisförmig das Stadtgebiet umschließen und stellenweise bis unmittelbar an den Rand der geschlossenen Stadt heranreichen, dann erkennen wir, daß wir allen Grund haben, dem Herrgott und der Gottesmutter zu danken, weil unsere Stadt vor dem Schlimmsten bewahrt blieb, das ihr unmittelbar drohte. Ungezählte Brand- und Sprengbomben waren ringst um Telgte gefallen bis unmittelbar an die durch Hagen und Ems umgrenzte Altstadt Telgte. Aber keine Bombe war in das Gebiet der Altstadt hineingefallen. Es stand augenscheinlich unter dem besonderen Schutz der lieben Gottesmutter.“ Die Anwesen Heinrich Pohlmann und Josef Wittenhövener, Delsenerheide, wurden schwer beschädigt! Die Brände wurden von der Löschgruppe Raestrup bekämpft, die von LS – Einheiten aus Roxel unterstützt wurden. Das benötigte Löschwasser wurde aus der Gräfte Haus Droste über eine lange Wegstrecke herangeführt, erst als eine TS 8 zwischgeschaltet wurde, reichte die Wasserversorgung aus um das Anwesen Pohlmann zu halten! Wittenhöveners Haus konnte nicht gehalten werde. Die Brände Bückmann und Lodenkötter Verth links der Ems wurden von weiteren LS – Einheiten bekämpft. Diese Dokumentation wurde zusammengestellt und ergänzt im März 2008 von Reinhold Flüthe Oberbrandmeister a. D. Feuerwehr Telgte LF 15 = Löschfahrzeug, Pumpenleistung 1500 l / min TS 8 = Tragkraftspritze, Pumpenleistung 800 l / min Meister der Feuerwehr = Chef Hauptwachtmeister = Brandmeister Rottwachtmeister = Löschmeister Wachtmeister = Oberfeuerwehrmann RAD = Reichsarbeitsdienst LS – Einheit = Luftschutz Feuerwehr HJ – Feuerwehrschar = Hitlerjugendfeuerwehr