Chronik Feuerwehr Telgte
Seit 1885

10.10.1943

Als der Krieg nach Telgte kam ... Sonntag, den 10. Oktober 1943 1. Tagesluftangriff auf Münster ... Es ist Sonntag, ein herrlicher Herbsttag mit strahlend blauem Himmel! Gegen 11.30 Uhr stiegen deutsche Jäger vom Flughafen auf, die Motorengeräusche erfüllen die Luft, sie flogen im Tiefflug in südöstlicher Richtung an Telgte vorbei. Auf der Straße beobachteten wir wie die einzelnen deutschen Jäger sich zu einem Jagdverband ordneten, ein Gefühl der Sicherheit überkam alle! Das war schnell vorbei als der Voralarm ertönte, bei der Feuerwehr hieß es dann, erhöhte Einsatzbereitschaft, die Männer zogen ihre Einsatzkleidung an, der Brotbeutel und Feldflasche wurden überprüft, ob alles drin war zur Erstversorgung. Sie verabschiedeten sich von ihrer Familie (man wußte ja nicht ob man sich je wiedersah) sie gingen von uns Kinder begleitet zum Marktplatz, wo die grünen Feuerwehrwagen vor dem Rathaus stationiert waren. Wir Kinder wurden von den Vätern nach Hause geschickt! In einer ganz bedrückenden Stille wurde zu Mittag gegessen. Es war ca. 13.15 Uhr: völlig fremde Motorengeräusche waren zu hören, es gab Vollalarm, im gleichen Augenblick setzte die Luftabwehr (Kiffmeiers Flak) ein, wir rannten auf die Straße! Alle waren sprachlos bei dem Anblick am Himmel. In sehr großer Höhe waren die Flugzeuge als Silberlinge zu sehen, die aus Richtung Warendorf über Telgte in Richtung Münster flogen, so weit das Auge reichte! Es setzte unter allen eine Panik ein – die Luftschutzwarte schrieen – ab in den Keller – das Entsetzen war bei allen sehr groß, wir Kinder bekamen unheimliche Angst. (200 Flugzeuge haben in 5 Wellen 1000 Spreng- und Brandbomben abgeworfen) Unaufhörlich war die Luftabwehr im Einsatz, das Explodieren der Granaten war im Keller deutlich zu hören. Plötzlich war unser Jagdflugzeugverband zu hören, todesmutig griffen sie den feindlichen Bombenverband an, es kam zu schweren Luftkämpfen im Raum Münster – Telgte. Das Schlachtengetümmel war im Luftschutzkeller deutlich zu hören. Trotz schwerer, eigener Verluste ist es den Jägern gelungen 22 feindliche Bomber abzuschießen, die rund um Münster abgestürzt sind! Dann wurde es stiller und stiller, es gab Entwarnung, wir durften den Keller verlassen. Die Luft war voller Brandgeruch, wir schauten in Richtung Münster – groß war das Entsetzen – über ganz Münster war eine große breite Rauchwolke – man hörte in der Ferne noch Detonationen von Bomben weitere Rauchwolken stiegen zum Himmel und das schrille Tönen der Schellen an den Löschfahrzeugen aus Warendorf und Umgebung, die durch Telgte nach Münster fuhren. Dann das unglaubliche: Ein Mannschaftswagen der Gandarmarie in Einsatzfahrt, lotste einen großen LKW nach Münster, der voll mit Holzleitern beladen war! Gebannt verfolgten wir am Münstertor (Schultes Gärtnerei – heute Penny Markt) den weiteren Verlauf! Ca. 2 Stunden waren vergangen als die ersten Bombenopfer zu Fuß an der Straße eintrafen, im Kopfkissen- und Bettbezug, trugen sie die letzten Habseligkeiten, die sie aus den völlig zerstörten Wohnungen gerettet hatten. Die Bombenopfer wurden vom DRK und der NSDAP – Frauengemeinschaft Telgte in den Schulen untergebracht und versorgt! In dem Fiasko wieder, das durch Mark und Bein schrille Signal der Rettungskräfte, ein großes Münster! Es waren notdürftig, schnell zusammengezogene Feuerwehrfahrzeuge, zum Teil aus früheren Zeiten, eine DL 24 mit Vollgummibereifung. Die genaue Farbe der zum Teil alten Wagen verrieten, daß sie noch aus den 20er Jahren stammten. Als langsam die Dämmerung einsetzte, wurde der Feuerschein am Himmel immer größer! Ganz Münster brannte an 5 Stellen, - großflächig -, lichterloh! An diesem Tag schlugen auch mehrere schwere Spreng- & Brandbomben in der Provinzial – Heilanstalt Marienthal in Münster ein. Von den Clemensschwestern kamen neben der Oberin Mutter Bona, weitere 48 Ordensschwestern zu Tode! Die genaue Zahl der Todesopfer nach diesem Angriff ist bis heute nicht bekannt! Die Löscharbeiten der Feuerwehren gestalteten sich sehr schwierig, da die Wasserleitungen in der Innenstadt durch die Bomben zerstört waren! Offene Wasserentnahmestellen waren der Aasee, Kanonengraben, die Aa, der Dortmund – Ems – Kanal! Das oberste Gebot war sowieso die Menschenrettung, verschüttete aus den Trümmern zu befreien, die Erstversorgung gestaltete sich sehr schwierig, weil keiner mit solch einem Chaos gerechnet hat! Diese Dokumentation wurde im März 2008 erstellt von Reinhold Flüthe Oberbrandmeister a. D. Feuerwehr Telgte