Chronik Feuerwehr Telgte
Seit 1885

26.11.1944 (Parteihaus)

Als der Krieg nach Telgte kam ... In den Kriegsjahren 1939 – 1945 hat die Innenstadt von Telgte nur 2 Großbrände erlebt. Zum einen, einen Dachstuhlbrand in der Bäckerei Busch, Bahnhofstraße am 18. März 1943 (1. Einsatz des LF 15, KS 15), zum anderen am 26. November 1944 den Parteihausbrand! In diesem Bericht schildert Reinhold Flüthe Fakten und Erinnerungen zum Parteihausbrand.

Das Parteigebäude der NSDAP (ehemals „Knickenbergsches Institut“) an der Mühlenstraße
Das Parteigebäude der NSDAP (ehemals „Knickenbergsches Institut“) an der Mühlenstraße Archiv Heimathaus Telgte

Zur Geschichte des Gebäudes Am 14. Oktober 1859 wurde das sog. „Knickenbergsche Institut“ von Josef Knickenberg (1814 – 1884) ins Leben gerufen. Sein Ziel war es, „im Geiste der heiligen, katholischen Kirche zu erziehen und auszubilden“. Waren es im Anfang erst 40 Schüler, so konnte man 1880 – 1890 in zweiter Generation 250 – 300 Schüler unterrichten! Das bedeutete hohes Ansehen über die Grenzen von Telgte und Westfalen hinaus. Finanzielle Sorgen gab es ab 1906, da die Schülerzahl schwand. Zeitweise gab es noch mal einen Aufschwung. Bis 1928 hatte man einen Durchschnitt von 260 Schüler pro Jahr. Die Wirtschaftskrise verursachte dann einen Abwärtstrend, und alle Bemühungen schlugen fehl das Institut zu erhalten. So wurde langsam aber sicher aus dem „Knickenberg`schen Turm“, wie das Gebäude liebevoll im Volksmund hieß da es das höchste Gebäude in der Innenstadt von Telgte war, das „Parthaus“ der NSDAP. Der Marienbote vom 29. Januar 1933 berichtete, das das „Freie Arbeitsdienstlager“ eingezogen ist und den noch laufenden Unterricht nicht stören wird. Die NSDAP hatte schon lange die Hand im Spiel, und so wurde das Internat Ostern 1936 endgültig aufgelöst. Telgte hatte jetzt sein Parteihaus. Im unteren Geschoss war ein großer Saal mit Bühne, der auch zum Kino umfunktioniert werden konnte. Im ersten Geschoss war auf ganzer Ebene das Wirtschaftsamt eingerichtet. Hier wurden Lebensmittelkarten und Bezugsscheine ausgestellt und verteilt. Das zweite Obergeschoss beherbergte große Schulungsräume zur Ausbildung der Führer der HJ und weitere Dienststellen. Meine persönlichen Erinnerungen an diesen Tag Am morgen des 26. November 1944 gegen 5.30 Uhr wurden wir wach. Es klang als ob ein großes Regenschauer mit ganz dicken Tropfen über uns niederging. Ein komischer Lichtreflex an unserer Schlafzimmerdecke ließ uns aufspringen, und im selben Augenblick ging auch schon die Feuerwehrschelle. Brandalarm! Schreie auf der Straße wurden laut: „Es brennt – Hilfe – es brennt – das Parthaus brennt!“ Ein heilloses Durcheinander auf der Straße. Wir Jungs, wie beim Fliegeralarm (man war ja im Training), ab in die Klamotten und runter auf die Straße! Mein erster Blick, ein Teil des Dachstuhles brannte, und eine 10 m hohe Flamme schlug gegen den Himmel! Eine unheimliche Hysterie kam auf und die Schrei wurden immer mehr und immer lauter: „Macht das Feuer aus, die Tommys kommen und schmeißen alles kaputt!“ Noch zu tief saß den Menschen der Schrecken und die Angst vom 15. August in den Knochen, als ein 45 minütiger Luftangriff auf uns nieder ging und ca. 235 Bomben rund um den Fliegerhorst Handorf - Telget abgeworfen wurden, und 6 Telgter zu Tode kamen. Ein sehr starker Funkenflug ging auf die anliegenden Häuser der Münsterstraße und Schleifstiege nieder und es tat sehr weh wenn man von den Funken getroffen wurde! Die Feuerwehreinheiten rückten an. Ich weiß nicht mehr wann, vermutlich einige Stunden nach dem Ausbruch des Brandes, stürzte die gesamte Holztreppe, die sich durch das gesamte Gebäude erstreckte, mit lautem Krachen zusammen. Dadurch entstand eine immense Kaminwirkung, die die Feuersbrunst erst richtig entfachte und der restliche Dachstuhl stürzte ein. Kameraden sprachen: „Brand des Gebäudes in voller Ausdehnung, ca. 25 m hoch!“ Solch eine Feuersbrunst habe ich in meiner 40jährigen Dienstzeit als Feuerwehrmann nie wieder gesehen. Einsatzbericht der Feuerwehr Lagebericht: Brand im Parteihaus Telgte Am 26. November 1944, morgens gegen 5.30 Uhr wurde die Gruppe „LF 15“ der Freiwilligen Feuerwehr Telgte durch ihre elektrische Klingelleitung alarmiert. Kurze zeit später erfolgte die allgemeine Hornalarmierung für die ganze Wehr. Es war das Zeichen dafür, dass es sich innerhalb der Gemeinde um einen Großbrand handelt. Die Annahme bestätigte sich alsbald. In dem großem Parteigebäude an der Mühlenstraße war ein Brand ausgebrochen. Bereits nach dem sofortigen Eintreffen der Gruppe „LF 15“ hatte sich das Feuer über das ganze Haus, welches aus dem 18. Jahrhundert stammte, ausgebreitet. Die Gruppe richtete die Wasserentnahme an der Ems bei der Kirche ein und verlegte dann nacheinander 2 B – Leitungen zur Brandstelle. Inzwischen waren auch die übrigen Gruppen zur Verstärkung an der Brandstelle eingetroffen. Die 2. Gruppe brachte die TS 8, die bei Hardensett stationiert war, unmittelbar am Unteremsufer in Stellung, und zwei weitere B – Leitungen wurden zur Einsatzstelle verlegt. Es wurde dann noch eine B – Leitung vom Hydrant Ecke Münsterstraße / Juffernstiege zur Südseite des Brandobjektes gelegt. Hauptaufgabe war, neben der Bekämpfung des Brandes selbst , die Ausdehnung des Feuers auf die angebauten Nebengebäude durch den starken Funkenregen zu verhüten. Eine weitere TS 8 wurde von der HJ – Jugendfeuerwehrschar an der Unterems in Stellung gebracht. In dem Gebäude selbst befand sich auch die Dienststelle des Wirtschaftsamtes. Es gelang hier noch einen Teil der wichtigen Akten, Lebensmittelkarten und Bezugsscheine zu retten. Im übrigen konnte das Gebäude angesichts des schon zu weit vorgeschrittenen Vernichtungsfeuers beim Eintreffen der Wehr nicht mehr gerettet werden. Auch der untere Versammlungsraum mit Bühne und Kino konnte nach mühevoller Löscharbeit nicht erhalten werden. Die Wehr arbeitete ohne Unterbrechung bis 17 Uhr, um sich dann in größeren Nachtwachen bis zum anderen Morgen abzulösen. Zur Ablöschung war eine weitere B – Leitung vom Hydrant Ecke Mühlenstraße / Schleifstiege gelegt worden. Auch noch in der Nacht vom 27. auf den 28. November war es angesichts des erneuten Aufflackerns erforderlich eine Brandwache zu stellen. Alsdann konnte der Brandherd als völlig abgelöscht gelten! Der Brennstoffverbrauch beträgt 50 kg Rohöl und 20 l Benzin. Wie die spätere Brandermittlung ergab, hatten Fähnleinführer der HJ, die an einem Seminar teilnahmen, den Bunkerofen überhitzt, und so die Holzdecke durch das Ofenrohr entzündete. Es war fahrlässige Brandstiftung. An dem Einsatz waren beteiligt: Heinrich Holtmann Meister der Feuerwehr Theo Jürgens Hauptwachmeister Anton Kapusta Hauptwachmeister Es folgen die Wachtmeister Bernhard Rumphorst Theo Deus Kasper Kroos Anton Hölscher Paul Rolf Josef Niesse Josef Wesseler Franz Stadmann Bernhard Kobring Theo Geistor Franz Flüthe Heinrich Brockamp Willi Lodde Dachdeckermeister, Münsterstraße Kohlenhändler, Alter Warendorfer Weg Schmiedemeister, Münsterstraße Gastwirt, Steintor Malermeister, Wolbecker Straße Schuhmachermeister, Königstraße Schuhmachermeister, Königstraße Seilermeister, Vosshof Mitarbeiter der Stadt Telgte Frisörmeister, Emsstraße Frisörmeister, Münsterstraße Metaller, Vosshof Malermeister, Münsterstraße Uhrmachermeister, Münsterstraße Fuhrunternehmer, Grabenstraße Schumachermeister, Münsterstraße Theo Weyer Bernhard Sickmann Josef Schulte August Niermann Max Lange von der HJ – Feuerwehr: H. Deus, Bernie Kortenbrede, Ferdi Eickholt, Ewald Kaulingfrex, Heinz Knappheide, Bernhard Brandhove, Herbert Fischer, Heinz Gersmeier, H. Schlepphorst, Ewald Siegemeier, Ewald Klömmer, Anton Pothoff, Willi Wienströer, Bernhard Fockenbrock

Das Gebäude nach seinem verheerenden Brand. Diese Foto wurde vom Turm der St. Clemens gemacht, als die Ems durch Hochwasser Teile der Altstadt überflutete und Straßen unpassierbar wurden .
Das Gebäude nach seinem verheerenden Brand. Diese Foto wurde vom Turm der St. Clemens gemacht, als die Ems durch Hochwasser Teile der Altstadt überflutete und Straßen unpassierbar wurden .

Die Verwertung der Ruine und Entstehung der Kolpingsiedlung August 1948, die Geburtsstunde der Kolpingsiedlung in Telgte?! Im Februar 1947 fragte der Vorstand der Kolpingsfamilie Telgte im Rathaus an, ob eine Bebauungsfläche für den Häuserbau von Kolpngsöhnen ausgewiesen werden könnte. Eine bejahende Antwort bezüglich dieses Begehrens ist den Protokollen nicht zu entnehmen. Probst Clemens Bringemeier, Präses Vikar Böggering (Antreiber und Förderer des Siedlungsvorhabens) Altsenior der Kolpingfamilie Schneidermeister Wilhelm Hotte, sie seien stellvertretend für über 20 angesehene Telgter Bürger genannt, die sich für das Projekt „Kolpingsiedlung“ eingesetzt haben. Mit Erfolg! Das Bauland, Verth rechts der Ems, wurde auf Erbpacht zur Verfügung gestellt. Fuhrunternehmer, Voßhof Schneidermeister, Am Schilde Gärtnermeister, Emsstraße Gerätewart, Ritterstraße Schornsteinfegermeister, August – Winkhaus – Straße Die Kolpingsöhne, von denen natürlich auch einige in der Feuerwehr waren, schlossen sich zusammen. Laut mündlicher Überlieferung ist ihnen die Ruine des Parteihauses zum Abtragen und Gewinnen von Bausteinen überlassen worden. Ein guter Start, in einer Zeit, in der Baumaterial äußerst knapp war. Mit den ersten gewonnen Steinen ist als erstes ein Brunnen zur Wasserversorgung für die Siedlung gebaut worden. Ein Bild hat sich mir eingeprägt. Eine Steigerabordnung der Feuerwehr hat von der Mühlenstraße aus an der Ruine des Parteigebäudes angeleitert. Bernhard Poppenborg saß oben auf der Mauer, das linke Bein im Gebäude, das rechte Bein aus dem Gebäude, leicht nach vorne geneigt, angeseilt und gesichert von den Feuerwehrkameraden, und schlug Stein für Stein aus der Mauer und legte ihn in einen Drahtkorb. Wenn dieser voll war wurde er mit einem Seil nach unten gelassen. Die in ihm enthaltenen Steine wurden auf einen Bollerwagen geladen und abtransportiert. So war das Ende vom „Knickenbergschen – Turm“ der Anfang der Kolpingsiedlung! Diese Dokumentation wurde 2008 zusammengestellt und ergänzt von Reinhold Flüthe Oberbrandmeister a. D. Feuerwehr Telgte