Löschgruppe Westbevern – Dorf
3) LG Westbevern – Dorf bis 1913
Bedingt durch die enge Ringbebauung an der Pfarrkirche in Westbevern – Dorf war hier die Forderung nach einem Brandschutz sicherlich stärker als die in der Streulage der Bauernschaft Vadrup und Brock. Hinzu kam noch ein großer Brand, der im Jahre 1711 einen Großteil der engeren Ortslage in Schutt und Asche legte. In einem Bericht des Bürgermeisters von Telgte an den Landrat vom 9. November 1827 heißt es hierzu wie folgt: Die Gemeinde Westbevern hat im Jahre 1711 wo das Pastorathaus, Küsterwohnung und überhaupt der südliche Teil des Dorfes durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt worden, erstens das Pastorathaus neu erbauen lassen um aber eine Küsterwohnung wieder zu erhalten ein altes Haus in Ladbergen gekauft, und hieraus die noch jetzt vorhandene verfallene Wohnung für den Küster erbaut.
Archiv FF Telgte
Angesichts dieser Situation ist es auch erklärlich, dass die erste Brandspritze, die für Westbevern angeschafft wurde, im Dorf aufgestellt wurde, und die Bewohner sich in diesem Ortsteil intensiver für den Feuerschutz einsetzten. Der älteste Nachweis über das Bestehen einer Pflichtfeuerwehr und einer Brandspritze stammt vom 9. Mai 1794. Die Ausrüstung der Wehr schien den amtlichen Stellen nicht immer ausreichen zu sein. 1835 vermisst der Landrat Brandeimer für die Westbeverner Wehr. „Nicht ganz auf den neuesten Stand“ war das Feuerlöschwesen auch 1879. Die Feuerspritze sei alter Konstruktion und ohne Saugvorrichtung. Mit Schreiben des Amtmannes Schirmer vom 1. Januar 1884 wurden 36 Bürger aus der Bauernschaft Westbevern – Dorf als Mitglieder der Feuerlöschmannschaft wie folgt verpflichtet: Beim Ausbruch eines Brandes bis zu 3 km (½ Meile) Entfernung vom Dorfe Westbevern oder zu den jährlichen Proben haben sie sich sofort an Ort und Stelle zu begeben, widrigenfalls sie aufgrund der Feuerpolizei – Ordnung für die Provinz Westfalen vom 30. November 1841 § 76, 78 und 94 und des Gesetzes über die Polizei – Verwaltung vom 11. März 1850 § 5 eine Streife von 1 bis 15 Mark oder im Unvermögensfalle eine Haftstrafe von 1 bis 3 Tagen zu gewärtigen hat.
Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
In einem Schreiben vom 22. September 1884 berichtete der Amtmann dem Landrat zur Einrichtung Freiwilliger Feuerwehren folgendes: Die Einrichtung einer Freiwilligen Feuerwehr in den einzelnen Bauernschaften der Gemeinde Westbevern ist nicht ausführbar, indem die ländlichen Eingesessenen zu häufig auf entfernt liegende Ackerländereien beschäftigt sind, so dass bei Feuersignalen diese nicht sofort zur Stelle sein können. Beim Ausbruch eines Feuers fährt der Spritzenmeister mit seinem Rohrführer, seiner mit zwei Pferden bespannten Feuerspritze und den Wasserwagen sofort zu der gewöhnlich entfernt liegenden Brandstätte, wo sodann zuerst die herbeigeeilten umliegenden Bewohner und schließlich die löschpflichtigen Mannschaften die Spritze bedienen. Wenn nämlich bis zum Herankommen der freiwilligen bzw. löschpflichtigen Mannschaften mit dem Abfahren der Spritze gewartet werden müsste, so komme die Hülfe oftmals zu spät, da doch die erste Hülfe die beste ist. Auch sind im Dorf Westbevern und auf dem sogenannten Brinck nicht die Mannschaften zu einer freiwilligen Feuerwehr vorhanden, die aus wirklicher Hingebung zur Sache eintreten
würden, um so mehr hiermit viel Übung
und Zusammenkünfte verbunden sind. Die Bemühungen des Gemeindevorstehers sowie mein Einschreiten waren aus den vorangeführten Gründen ohne Erfolg. Im Allgemeinen ist die bis jetzt bestandene Einrichtung als vollständig ausreichend zu betrachten, weil eben jedes Gemeindemitglied beim Löschen gern tätig ist und dieses gesamte Eingreifen die größten Brände rasch gelöscht hat.
Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
In der Jahresabrechnung 1884 der Gemeindekasse Westbevern sind erstmals die Gehälter für drei Rohrführeraufgeführt, für Westbevern, Vadrup und Westbevern – Brock. Im letzten Jahr der Pflichtfeuerwehr, 1912, wurde zwar eine ausreichende Ausrüstung der Wehr festgestellt, allerdings fehlte es auf den Höfen oft an genügend Wasser. Die Wasserlöcher zu vergrößern und abzudichten, sei zwar angedacht, „Scheiter aber am Kostenpunkt“. Nachdem sich in vielen Orten Freiwillige Feuerwehren als schlagkräftiger erwiesen hatten, wurde auch in Westbevern die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr forciert. Aus dem zehnköpfigen „Steigertrupp“, der 1909 erstmals erwähnt wurde, ging die Neugründung hervor.