Löschzug Telgte
III Aller Anfang ist schwer, doch der Weg ist das Ziel
1) LZ Telgte
(Nachdem der Amtmann Kock (der 1897 nach Ostbevern gekommen war) erkannt hatte, dass eine Reorganisation des Feuerschutzwesens notwendig sei, betrieb er zunächst einmal „Bedarfsweckung“. Dazu lud er die Telgter Feuerwehr nach Ostbevern ein und ließ sie vor der geladenen Bevölkerung eine große Übung durchführen. Fast hätte er sein Ziel erreicht, denn in der anschließenden Versammlung wurde der Wunsch laut, für Ostbevern auch eine eigene Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Es erklärten sich 94 Bürger bereit in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, die dann im Juli 1899 gegründet wurde. Übungen und Einsätze hat diese Wehr nie geleistet. Jedoch war eine Abordnung zum 15. Stiftungsfest der Telgter Wehr zu Gast.)
Durch das bestehen zweier Feuerwehren (der obligatorischen Pflichtfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr) und dem stetigen Ausbau der freiwilligen Feuerwehr durch Anschaffung von Ausrüstung und Gerätschaften sollte die Kapazität des alten Spritzenhauses an der Schleifstiege bald nicht mehr ausreichen. Teile der Geräte waren in der Schleifstiege, andere bei Kameraden untergebracht. Um diesen unhaltbaren Umstand zu beseitigen erbaute man 1898 ein Gerätehaus an der Ritterstraße, wo die Feuerwehr noch heute ansässig ist. Ab 1909 war der größte Teil der Geräte beider Feuerwehren hier untergebracht. Zum 10jährigen Bestehen erhielt die Wehr 1895 eine eigene Standarte. Leider kann der Verbleib dieser Fahne heute nicht mehr nachvollzogen werden. Um die Jahrhundertwende wurde die Anschaffung einer neuen Uniform aus blauem Tuch mit gelben Knöpfen und schwarzen Raupenschnüren beschlossen, und mit Unterstützung der Stadtverwaltung durchgeführt. Erst 1908 wurde anlässlich der Umänderung der Uniform 100 weitere Helme angeschafft, und so die ganze Wehr mit Helmen ausgerüstet. Zur Sicherstellung der Wassereinnahmen beim Ausbruch eines Brandes in südlichen und westlichen Stadtteilen wurde am 15. September 1900 beschlossen einerseits den Böhmerbach am Münstertor aufzustauen, und andererseits eine 500 m lange Schlauchleitung mit Schlauchwagen anzuschaffen, um mittels der Dampfpumpe in der an der Ems gelegenen Oskar Schräder`schen Fabrik immer Wasser zuführen zu können. Die Stauanlage wurde im folgenden Jahr angelegt. Zu den Anschaffungskosten der Schlauchleitung und des Wagens steuerte die Provinzial – Feuer – Sozietät ein viertel bei. 1903 stand der erste „Machtwechsel“ an. Carl Evens, inzwischen 74 Jahre alt, der die Wehr seit ihrer Gründung geführt hatte, trat infolge seines hohen Alters zurück. (Er wurde in der nächsten Generalversammlung zum Ehrenchef ernannt und war bis zu seinem Tode ein eifriges Mitglied und unermüdlicher Förderer der Wehr.) An seine Stelle trat August Schräder. Das alte „Statut nebst Instruktion“ von 1885 wurde 1906 durch ein neues „Statut der freiwilligen Feuerwehr“ ersetzt. Am 12. Juni 1910 wurde die „25jährige Jubelfeier der freiwilligen Feuerwehr Telgte“ begangen, bei der neben den 115 aktiven und 28 inaktiven Wehrmännern aus Telgte, 18 auswärtige Wehren teilnahmen.
Dem kurz zuvor gebildeten Kreisfeuerwehrverband trat die Wehr am 10. Oktober 1911 hinzu. Bernhard Bittmann übernahm 1912 das Zepter, nachdem August Schräder es niedergelegt hatte. Kurz vor dem ersten Weltkrieg erfuhr der Bestand an Feuerlöschgeräten, der zwischendurch immer wieder ergänzt und ausgebaut wurde, eine wesentliche Bereicherung durch die Anschaffung einer Magirusleiter. (Die noch bis 1935 im Dienst der Feuerwehr und noch bis 1960 vom damaligen E – Werk genutzt wurde.)