Löschzug Telgte
VII Zwischen Wiederaufbau und kommunaler Neustrukturierung
1) LZ Telgte
Nach Kriegsende übernahm Bernhard Rumphorst die Führung der Feuerwehr. Auch die Feuerwehr viel unter die Aufsicht der alliierten Streitkräfte, und wurde z. B. durch den Kreisfeuerwehrführer Leopold Tönker und dem englischen Feuerwehrkommandanten besucht. Um die Schwierigkeiten der damaligen Zeit noch besser verstehen zu können sei noch auf die Währungsreform 1948 hingewiesen. Jeder Einwohner bekam für 60 Reichsmark 60 Deutsche Mark. Forderungen und Guthaben wurden 10 : 1 abgewertet. Schon 1949 kamen erste Überlegungen auf, wonach Telgte Kreisschlauchpflegerei werden sollte. Dieses Vorhaben wurde jedoch 1955 zunächst wieder fallen gelassen. Das erste große Fest nach dem Krieg war für die Feuerwehr 1950 das 65jährige Bestehen der Wehr und das 25jährige Bestehen des Musikzuges. In Telgte begann man 1953 mit der Einrichtung einer zentralen Wasserversorgung durch das neu gebaute Wasserwerk. Durch diese Maßnahme stand der Feuerwehr, die ja bereits über einige Hydranten in der Stadt verfügte, ein bedeutend größeres Angebot an Löschwasser zur Verfügung. Zum 70-jährigen Bestehen der Wehr wurde 1955 die neue Fahne geweiht, die von den Ehefrauen der Feuerwehrmännern gestiftet wurde. Zu diesem Anlass spielte auch der Musikzug der Feuerwehr, der gleichzeitig sein 30jähriges Gründungsfest feierte. Eine zusätzliche Aufgabe erhielten die Feuerwehren 1957 mit der Aufstellung des Luftschutz – Hilfsdienstes (LSHD), der aufgrund des Gesetzes vom 9. Oktober 1957 über „Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung“ (Feuerschutz und Hilfeleistung bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen) durchzuführen war. Für diese Aufgabe stellte der Bund Fahrzeuge und Geräte zur Verfügung. Ein Teil der Feuerwehr Telgte gehörte – dadurch der 61. LS Feuerwehrbereitschaft an, die Ende 1969 dem Katastrophenschutz zugeordnet wurde. Hierdurch wurden die Feuerlöschverbände aus Kriegszeiten aufgelöst.
Wie vielseitig die Feuerwehr einsetzbar ist zeigte ein Bericht der Zeitung vom 22.07.1959: Auf dem Lagerplatz in Telgte war ein Brand ausgebrochen. Die dortige Wehr konnte mit dem Löschgerät nicht gut an die Wasserstelle gelangen. Der Amtswehrführer erinnerte sich des Gerätes in Westbevern – Dorf. Der dortige Brandmeister konnte das Löschfahrzeug in Ermangelung eines Führerscheines nicht lenken. Alle Feuerwehrmänner des Ortes waren bei den Erntearbeiten. Auf gut Glück wurde das erste Wehrmitglied angesteuert. Der Bauer stand mit seiner Frau vor einem gerade gemähten fast 7 Morgen großen Haferfeld, trotzdem fuhr er zur Brandstelle und der Brandmeister setzte mit der Bäuerin den Hafer auf. Gegen Feierabend war das ganze Feld aufgestellt. Da der Bauer ohne Hilfe stand, und er selbst vom Einsatz noch nicht zurück war, zeigte der Wehrführer auch weiterhin seine Einsatzbereitschaft. Gegen 20 Uhr war der Brand gelöscht, die Erntearbeiten weitergegangen, und sogar die Kühe waren gemolken. Diese Einsatzfreudigkeit ist aber typisch für die Männer im blauen Rock.
Auch technisch wurde ein neues Zeitalter eingeläutet. So wurde 1959 das erste Funkgerät für die freiwillige Feuerwehr Telgte beschafft.
Im folgenden Jahr wurde die Klingelanlage modernisiert und in drei Schleifen unterteilt. 1960 einigte man sich endlich auf ein Wappen für das Amt Telgte, in dem alle drei Gemeinden enthalten sein sollten. In dem Wappen stand nun für Telgte die Telge (Eiche), mit sieben Blättern, für Westbevern (ursprünglicher Name Bevern, was Bieber bedeutet) der Bieber und für das Kirchspeil die Ems, die durch alle drei Gemeinden fließt. Als Hauptfarbe wählte man Gold und Rot, was die ehemalige Zugehörigkeit zum Fürstbistum Münster weidergab. Am 15.03. des Jahres wurde in einer Feierstunde die Grundsteinlegung des neuen Gerätehauses gefeiert, welches mit einem Festakt zum 75jährigen Bestehen vom 27. Bis 29.08. eingeweiht wurde.
Die stolze Jubelwehr vor dem neuen Spritzenhaus.
Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
Günther Karthaus übernahm jetzt das Amt des Wehrführers. Ab 1961 wurde in Telgte durch das neue Gerätehaus die Kreisschlauchpflegerei eingerichtet, wobei es noch dauern sollte bis diese Einrichtung den offiziellen Charakter erlangte. Neben der Anschaffung eines zweiten Atemschutzgerätes wurde 1963 der Ausbau des Funksprechverkehres weiter vorangetrieben und die Einrichtung einer Leitstelle für den Kreis Münster befürwortet, sowie eine eigene Funkfrequenz für diesen beantragt. Um bei Brandeinsätzen näher am Feuer arbeiten zu können erwog man einen Asbestanzug anzuschaffen. Die Klingelanlage, die sich immer wieder bewährte, wurde weiter ausgebaut, um alle Wohnungen der Kameraden mit einer entsprechenden Alarmglocke versehen zu können. Da der Verkehr in und um Telgte stetig zunahm, und damit verbunden auch die Zahl der Verkehrsunfälle, wurde ein Schweißgerät angeschafft um eingeklemmte Personen aus ihrem Fahrzeug befreien zu können. Dieses Schweißgerät wurde zum ersten mal bei einem Verkehrsunfall in Westbevern – Brock eingesetzt. Wegen der damals als sehr hoch eingeschätzten Bedrohung der Ostblock – Länder (Atombomben etc.) wurde in den 60ern und 70ern das „Sirenen – Netz“ stetig erweitert. Ziel war es, im Falle eines Falles, die Bevölkerung schnell und umfassend warnen zu können, bzw. um Rettungskräfte zu alarmieren. Somit wurden allein für Telgte 1963 6 neue Sirenen angeschafft. Leider zeigte die Einsatzstatistik das auch die Einsätze im Umfeld der Ems stetig zunahm. So wurden z. B. des öfteren vermisste Personen in der Ems gesucht bzw. gerettet und Leichen geborgen, oder aber Ölsperren errichtet. Deshalb wurde für die Feuerwehr ein Schlauchboot angeschafft, und auf den Namen „Emswacht“ getauft. Da Günther Karthaus 1964 zum Kreis- und später Bezirksbrandmeister berufen wurde, war es wieder einmal Zeit für einen Machtwechsel, wodurch Heinz Rickhoff Wehrführer wurde. Außerdem war die Wehr endlich in der Lage ein zweites Funkgerät anzuschaffen, welches im Schulungsraum installiert wurde, um zum Einsatzort Kontakt halten zu können. 1968 wurden Telgte Stadt und Telgte – Kirchspiel zusammengelegt. Getragen von dem Gedanken, die gemeinsame Leistungskraft der Stadt Telgte und der Gemeinde Telgte – Kirchspiel durch eine Vereinigung der beiden Gemeinden zu erhöhen und die gesamte kommunale Entwicklung des Raumes Telgte auf diese Weise zu fördern, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, den ständigen zunehmenden Aufgaben der Daseinsvorsorge für alle Bevölkerungskreise gerecht zu werden und diesen Erfordernissen auch mit Rücksicht auf die seit jeher zwischen beiden Gemeinden bestehenden besonders engen Verflechtungen besser Rechnung tragen zu können, haben die Stadtvertretungen Telgte und die – Gemeindevertretung Telgte Kirchspiel in ihrer gemeinsamen Sitzung am 7. April und 1. November 1967 übereinstimmend beschlossen, die geographisch, soziologisch, wirtschaftlich und kulturell bereits vorhandene Einheit des Telgter Raumes auch in kommunalpolitischer Hinsicht dadurch zu verwirklichen, dass die bisherige Stadt Telgte und die Gemeinde Telgte – Kirchspiel mit Wirkung zum 1. Juli 1968 zu einer Gemeinde zusammengeschlossen werden, die die Bezeichnung „Stadt Telgte“ erhält. – Den Entscheidungen der Stadtvertretung Telgte und der Gemeindevertretung Telgte – Kirschspiel folgend hat der Landtag von Nordrhein – Westfalen am 14. Mai 1968 das „Gesetz über den Zusammenschluß der Stadt Telgte und der Gemeinde Telgte – Kirchspiel“ einstimmig beschlossen. Der Festakt fand am 1. Juli 1968 im Kolpinghaus Telgte statt. RUNDBLICK
Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte
Für die Organisation der Wehr stellte dies jedoch keine großen Veränderungen dar. Über eine zivilere Gestaltung der Feuerwehruniform wurde 1971 nachgedacht, und umgesetzt. Aufgrund der Erdölkriese von 1973 wurde die Feuerwehr angehalten den Brennstoffverbrauch an Benzin und Diesel so weit wie möglich zu dezimieren. So wurde angeordnet auf Übungen zu verzichten, Bewegungsfahrten auf maximal 100 km pro Fahrzeug und Quartal zu limitieren und Garagen nur soweit zu beheizen, das dem Inventar kein Schaden entsteht. Durch den Ausbau des Rohrleitungsnetzes standen 1974 in Telgte 198 Hydranten zur Verfügung.