Chronik Feuerwehr Telgte
Seit 1885

Löschzug Telgte

V Selbst ein Krieg kann den Idealismus nicht brechen

1) LZ Telgte

1919 stand der vierte Machtwechsel an, und zwar zu Heinrich Schlüter, der wiederum 1922 das Zepter an Josef Günther übergab. Ihm verdankte Telgte die Gründung des Musikzuges der Feuerwehr. Das mittlerweile in die Jahre gekommene Spritzenhaus in der Ritterstraße wurde 1923 / 1924 umgebaut und erhielt einen Steigerturm, in dem neben Übungen auch die Schläuche getrocknet werden konnten. Jetzt konnten die Steiger (in etwa vergleichbar mit den heutigen Angriffstrupp) mit Hakenleitern in die Stockwerke einsteigen und den „Innenangriff“ üben. Durch die Inflation wurde das Strafgeld für das fehlen bei einer Übung bzw. Versammlung auf 500 Mark und im Wiederholungfall auf 1000 Mark festgesetzt. (Im Oktober und November 1923 gab es Briefmarken zu 20 und 50 Milliarden Mark. Am 01.12.1923 wurde getauscht: 1 000 000 000 (1 Billion) = 1 Rentenmark oder 10 Milliarden = 1 Rpfg.)

40 Jahre Freiwillige Feuerwehr Telgte im Jahr 1925 Die Wehr ist am Bahnhof angetreten um auswärtige Kameraden zu empfangen.
40 Jahre Freiwillige Feuerwehr Telgte im Jahr 1925 Die Wehr ist am Bahnhof angetreten um auswärtige Kameraden zu empfangen. Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte

Um die angespannte Situation der Löschwasserversorgung (die immer im gesamten Einsatzgebiet ein heißes Eisen war) auch in der Stadt zu entschärfen wurde zwischen 1927 und 1929 eine Rohrleitung mit 8 Hydranten ausgebaut, die ausschließlich für Feuerlöschzwecke bestimmt war. Bereits am 14.10.1924 wurde das Vorhaben wie folgt in der damaligen Zeitung beschrieben: … Hinter der Pfarrkirche müsste ein Pumpenhaus errichtet werden. Deswegen gerade dort, weil die Ems oberhalb des neuerrichteten Wehres auch im Hochsommer genügend Wasser hat. Der Kopf des Saugrohres muss in einem Brunnen ruhen, der tief genug ist, und nicht verlanden darf. Die Pumpe erhält ihren Antrieb durch einen Elektromotor, der seine kraft dem städtischen Stromnetz entnehmen muss. Es ist natürlich Aufgabe eines Fachmannes, die Pferdestärke des Motors, die Weite der in frostfreier Tiefe liegenden Leitungsrohre usw. zu berechnen, um den erforderlichen Wasserdruck zu erreichen. Vom Pumpenhaus angefangen ist die Führung der Rohre etwa folgende: Vor dem Pfarrhaus vorbei, zwischen dessen Scheunen und der Gnadenkapelle hindurch auf die Kapellenstraße zu, weiterhin zum Markt und zur Steinstraße. An der Ecke bei Schürmann zweigt sich ein Rohr ab zur Bahnhofstraße. Diese Leitung erhält in Zwischenräumen an folgen Stellen Hydranten, wo das Wasser entnommen werden kann: Ewens, Althaus, Schürmann, Niehues, Pohlmeier und Steintor, auf der Bahnhofstraße bei Gerdemann, Spahn, Busch und Mersmann. Ein anderes Rohr nimmt seinen Weg vom Pumpenhaus aus um die Kirche herum zur Ecke Schleifstiege / Kapellenstraße, dann weiter zur Mühlenstraße, über die Mühlenstraße zur Ritterstraße und Grabenstraße; die Hydranten bei Schlautmann, Seiling, Baumhove, Kieper, Knappheide, Wichmann. Es könnte noch je ein Rohr abgezweigt werden von Schlautmann aus zur Stiege, von der Münsterstraße und ferner vom Markt zur Emsstraße. Hierdurch wäre die Möglichkeit geschaffen, daß jeder Teil der Stadt in dem Aktionsradius des jeweiligen Hydranten liegt, oder auch vielleicht sogar in dem zweier oder mehrerer. Durch fachmännische, sorgfältige Berechnung könnte durch die Pumpenleistung ein Druck erzeugt werden, der ohne Feuerspritze einen Wasserstrahl von 25 bis 30 Meter Höhe auf das brennende Gebäude wirft. …

Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte

Wegen der hohen Kosten wurde das Vorhaben jedoch nur in kleinerem Umfang realisiert. Auch wurde in der Zeitung vom 22.10.1927 berichtet: … Als weitere wichtige Neuerung konnte man die Anschaffung eines großen Dreiwegehahnes registrieren, der die Leitung in mehrere Wege zerteilen kann, wobei man jede neue Leitung einzeln anund abstellen kann. …

Archiv FF Telgte, Löschzug Telgte

Persönliche Unstimmigkeiten und eine gewisse innere Zerstrittenheit innerhalb der Feuerwehr, es bestanden immer noch zwei Wehren in Telgte, führte in den nächsten Jahren zu einer nicht unbedenklichen Krise, die allmählich immer deutlicher zutage trat und gegen Ende 1928 den Bestand der Freiwilligen Wehr zu erschüttern drohte. Nach dem Rücktritt des Gesamten Vorstandes 1929 wurde in der vier Tage später stattfindenden Jahreshauptversammlung der Amtsbürgermeister E. A. Arensmeyer zum Chef der Wehr gewählt und die Zwangsfeuerwehr aufgelöst. Schon damals erkannte man, dass die Aufgabe der Feuerwehr nicht nur das löschen beinhaltet, und so wurde 1930 der Antrag auf „Errichtung einer Sanitätsgruppe innerhalb der Feuerwehr“ durch die Mitglieder gestellt. Auch die fortschreitende Entwicklung der Technik sollte in Telgte ihren Einzug halten. Von der damaligen „Amtsvertretung“ wurde 1930 10.000 Mark bewilligt um eine Motorspritze anzuschaffen. Nach verschiedenen Besichtigungen ging die Entscheidung in die Richtung, einen „… Motorwagen mit Motorspritze, seitlichen Haspeln und abnehmbaren Schlauchwagen …“ anzuschaffen.

Das erste Auto der Wehr

Archiv der Stadt Telgte

Am Donnerstag, den 14. Mai 1931 (Christi Himmelfahrt), wurde das Fahrzeug mit Anhänger und 1000 m Schlauchleitung im Rahmen einer Übung der 5 Freiwilligen Feuerwehren des Amtsbezirkes Telgte in Westbevern übergeben. Es wurde damals von der Amtsvertretung Telgte zur Bedingung gemacht, dass dieser Feuerwehrmannschafts- und Gerätewagen sämtlichen Gemeinden des Amtsbezirkes im Falle eines Brandes zur Verfügung stehe. Die Kosten der Unterhaltung sowie die Kosten für die Verzinsung und Tilgung der hierfür aufgenommenen Anleihe trug das Amt Telgte. Um die Alarmierung der Wehr zu verbessern wurde im September 1932 eine elektrische Alarmvorrichtung (Klingelleitung) in Betrieb genommen, was für diese Zeit und die Region einmalig war. Diese Anlage, die natürlich immer wieder saniert und ausgebaut wurde, war bis 1990 in Betrieb.